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Monday, September 30, 2019

Österreich hat gestern gewählt, und die politische Krise 2019 geht in eine neue Phase

In Österreich fand am Sonntag (gestern) ein nationales Wahlsonntag statt, um einen neuen Nationalrat zu wählen.

2019 war ein ungewöhnliches Jahr in der Geschichte der Zweiten Republik Österreichs (1945-heute). Die Regierung von Bundeskanzler Sebastian "Basti" Kurz ist erstmals in der Zweiten Republik durch ein Misstrauensvotum abgesetzt worden. Basti wurde im Dezember 2017 Kanzler an der Spitze einer Koalition aus der Mitte-Rechts-ÖVP und der rechtsextremen FPÖ, die 1955 von reuigen Ex-Nazis für reuige Ex-Nazis gegründet wurde und es nie geschafft hat, über ihre ideologischen Wurzeln hinauszukommen.

Hier sind die Ergebnisse (NR-Wahl 2019) im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Nationalratswahlen und den diesjährigen EU-Parlamentswahlen.


Basti zog es im Wahlkampf eindeutig vor, eine neue Koalition mit der FPÖ zu bilden, um ihre pro-oligarchische, einwanderungsfeindliche Politik von 2017-19 fortzusetzen. Der Auftritt der FPÖ am Sonntag hat dies deutlich unwahrscheinlicher gemacht. Mit ihren aktuellen Schwierigkeiten wird die FPÖ stark versucht sein, ihre Unterstützung aufzubauen, indem sie in der Opposition bleibt und ihr einziges wirkliches Thema an dieser Stelle verfolgt, Angst und Hass gegenüber Einwanderern, mit populistischen Haltungen, die von der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die sie tatsächlich unterstützen, verfälscht sind.

Die Grünen feierten ein dramatisches Comeback, nachdem sie 2017 die Parlamentsvertretung nicht gewonnen hatte, weil ihre Stimmen unter 4 % fielen. Das lag zum Teil daran, dass es eine abgespaltene Partei namens Jetzt gab, die Parlamentssitze erhielt. Doch die stimmenhabende Stimmen der Grünen von 8,2% im Jahr 2017 auf 16,2% im Jahr 2019.

Numerisch gibt es drei mögliche Koalitionsoptionen: eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition ("türkis-blau"); ÖVP-SPÖ ("türkis-rot"); ÖVP-Grüne ("türkis-grün"). Aber die tatsächliche Bildung einer neuen Regierung wird besonders schwierig sein. Die derzeitige Regierung ist eine "Expertenregierung" unter der Leitung von Österreichs erster Bundeskanzlerin Birgit Bierlein, die vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen als Staatsoberhaupt ernannt wird. Es ist wahrscheinlich noch zu früh, um darüber zu spekulieren, ob Bierleins Übergangsregierung länger im Amt sein wird als Bastis Regierung auf Ibiza. Es ist sicherlich ein mögliches Ergebnis.

Bastis ÖVP/FPÖ-Koalitionsregierung von 2017/19 war auch eine historische Regierung, in dem die eine der kürzesten Zeit im Amt seit Jahrzehnten hatte. Es wurde von einem Strom von Skandalen geplagt, von denen viele mit dem zu tun hatten, was ironischerweise als "Einzelfälle" bekannt wurde, bei denen Mitglieder der FPÖ entdeckt wurden oder sich als Anhänger einer radikalen Ideologie outen, die nicht mit einer demokratischen Regierung und Politik vereinbar ist. Als Beispiel: Oberösterreichs Landessenator Elmar Podgorschek (FPÖ):
Der oberösterreichische FPÖ-Landesrat Elmar Podgorschek ... hält [Juni 2018] bei der [deutschen] rechtsextremen AfD Thüringen eine Rede, in der er Ratschläge für die Machtübernahme gibt und die Institutionen der Demokratie massiv angreift. Als das öffentlich bekannt wird, sieht sich Podgorschek mit heftiger Kritik und Rücktrittsaufforderungen konfrontiert. (Mauthausen Komitee Österreich, Viele Einzelfälle = Ein Muster 02.08.2019)
In dieser Rede unterstützte Podgorschek die "orbanisierung" der Presse, einen Verweis auf die gegenwärtige autoritäre Regierung Ungarns und ihre Praxis, einen Großteil der ungarischen Medien unter die Kontrolle regierungsweiter Oligarchen zu bringen. Podgorschek wurde 2019 öffentlich und erfolgreich unter Druck gesetzt, wegen dieses Vorfalls von seinem Amt im Landtag zurückzutreten.

Ich war dieses Jahr überrascht, dass ein Skandal, den ich für den schwerwiegendsten hielt, bei der diesjährigen Nationalratswahl tatsächlich keine prominente Rolle spielte. Das war eine Aktion des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl im Jahr 2018, bekannt als die "BVT-Affäre", bei der er eine ungewöhnliche Polizeirazzia gegen das Sicherheitsbüro im eigenen Ministerium organisierte, eine Aktion, die dazu führte, dass einige europäische Nationen ihre Zusammenarbeit mit Österreichische Geheimdienste aus Angst, Österreich könne Quellen und Methoden nicht ausreichend schützen, begrenzt hatten.

Der Auslöser, der den Sturz von Bastis rechts-rechts-Regierung in Gang setzte, war das, was schnell als „Ibiza-Skandal“ bekannt wurde, der im Mai ausbrach. Deutsche und österreichische Reporter enthüllten ein Video, das zwei hochrangige Vertreter der FPÖ zeigte, darunter Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der einer Frau korrupte Geschäfte und illegale Pläne vorschlug, die sie für die Nichte eines russischen Oligarchen hielten. Der Meeting fand in eine Villa auf der beliebten Ferieninsel Ibiza statt. Das Video wurde 2017 vor der Wahl in diesem Jahr gedreht, als Strache noch Oppositionsführer war. (Beide wurden noch nicht wegen Rechtsverstößen im Zusammenhang mit dem Video verurteilt.) Frederick Obermaier und Bastian Obermayers Buch Die Ibiza-Affäre (2019) beschreibt das Ibiza-Treffen und die Aufdeckung des Skandals.

Dies veranlasste Kritiker von Bastis Regierung 2017-19, sie als "Ibiza-Regierung" und die FPÖ als "Ibiza-Partei" zu bezeichnen.

Auf den Zerfall von Bastis türkis-blauer Regierung folgte eine erbitterte Polemik zwischen ÖVP und FPÖ. Selbst wenn die FPÖ bei dieser Wahl nicht so wenig Stimmen gehabt hätte, wäre es eine echte Herausforderung gewesen, eine neue Ibiza-Koalition zu bilden.

Die wahlnächtliche gängige Meinung unter österreichischen Kommentatoren war, dass eine ÖVP-Grüne Koalition die plausibelste ist. Aber doch ist das keineswegs eine einfache Verhandlung. Basti hat deutlich gemacht, dass er die grundsätzlich harte rechte- und Einwanderung-feindliche-Politik seiner Ibiza-Regierung fortsetzen will. In seinen ersten Kommentaren nach der Wahl gegenüber dem ORF-Nationalnachrichtendienst äußerte sich Grünen-Parteichef Werner Kogler zurückhaltend zu einer Koalition und betonte, die Grünen wollten sich "radikal" von der Politik der Regierung auf Ibiza abändern. Bastis Klimapolitik ist ein schlechter Witz. Und er war als Kanzler eindeutig demagogisch anti-immigrantisch, auch im Wahlkampf 2019. Die Grünen waren klar die einwanderungsfreundlichsten der fünf Parteien des neuen Nationalrats. Die Grünen haben gerade ein großes Comeback erlebt. Und bei der diesjährigen EU-Wahl waren die Grünen die beliebteste Partei unter den österreichischen Wählern unter 30 Jahren. Basti wird ihnen ein sehr gutes Angebot machen müssen, um die Vorteile einer Regierungsbildung über die Risiken zu überwiegen, in einer konservativ geführten Regierung unter seiner Führung zu gehen.

Regierungskoalitionen aus ÖVP und SPÖ regierten Österreich während eines großen Teils der Existenz der Zweiten Republik. Aber das war in einer Parteiformation, die im Wesentlichen aus diesen beiden Parteien und der FPÖ bestand. Nun verkomplizieren Grüne und NEOS dieses Bild. Wie die Grünen wird auch die SPÖ ausrechnen müssen, ob die möglichen Vorteile eines Juniorpartners von Bastis ÖVP in der Regierung die mit hoher Wahrscheinlichkeit verbundenen politischen Verluste überwiegen würden. Das Beispiel Deutschland, wo ihre Schwesterpartei SPD hinter die Grünen zurückfällt, wird (und sollte!) in ihrer Betrachtung groß.

Basti hat 2017 eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten und in diesem Jahr eine mit der rechtsextremen Partei zu Fall gebracht. Er sieht also nicht gerade wie der ideale Koalitionspartner für irgendjemanden aus.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Wahl. Die Aura der "Wunderwuzzi", die Basti mit vielen Journalisten hatte, die es besser hätten wissen sollen, wurde durch diese Kampagne stark getrübt. Und die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schockierte die Presse nicht nur mit ihrem Wahlkampf, sondern schaffte es, das enttäuschende Ergebnis der SPÖ wie einen mitreißenden Aufruf zur Intensivierung des Kampfes klingen zu lassen. Das starke Grüne Votum im Vergleich zu 2017 war zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Wähler von der SPÖ zu den Grünen wechselten.

Austrian election yesterday, and the 2019 political crisis enters a new stage

Austria held a national election Sunday to elect a new Nationalrat (Parliament).

2019 was an unusual year in the history of Austria's Second Republic (1945-today). The government of Chancellor Sebastian "Basti" Kurz was removed by a no-confidence vote for the first time in the Second Republic. Basti became Chancellor in December 2017 at the head of a coalition of his middle-right Austrian People's Party (ÖVP) and the far-right FPÖ, founded in 1955 by unrepentant ex-Nazis for unrepentant ex-Nazis, and which has never managed to get beyond its ideological roots.

Here are the results (NR-Wahl 2019) compared with the two previous Nationalrat elections and this year's EU parliamentary elections.


Basti during the campaign clearly preferred to form a new coalition with the FPÖ to continue their pro-oligarch, anti-immigrant policies of 2017-19. The FPÖ's performance Sunday has made this look considerably less likely. With their current troubles, the FPÖ will be strongly tempted to build their support by staying in the opposition and pursuing their only real issue at this point, fear and hatred of immigrants, with populist posturing belied by the economic and social policies they actually support.

The Green Party staged a dramatic comeback after failing to win parliamentary representation in 2017, because their vote fell under 4%. That was partly because there was a split-off party called Jetzt that did get parliamentary seats. But the combined Green-Jetzt vote increased from 8.2% in 2017 to 16.2% in 2019.

Numerically, there are three possible coalition options: a new edition of the ÖVP-FPÖ coalition ("turquoise-blue" from the party colors); ÖVP-SPÖ ("turquoise-red"); ÖVP-Greens ("turquoise-red green"). But the actual formation of a new government will be particularly difficult. The current government is an "expert government" headed by Austria's first female Chancellor, Birgit Bierlein, appointed by Austrian President Alexander Van Der Bellen acting as head of state. It's probably too soon to speculate whether Bierlein's interim government will serve in office longer than Basti's Ibiza government. It's certainly a possible outcome.

Basti's ÖVP/FPÖ coalition government of 2017-19 was also a historic government in being one of the shortest in decades. It was plagued by a stream of scandals, many of them having to do with what became ironically known as "isolated incidents" involving members of the FPÖ being discovered or outing themselves as adherents of a radical ideology not compatible with democratic government and politics. As just one example, Upper Austrian state senator Elmar Podgorschek (FPÖ):
The Upper Austrian FPÖ state senator Elmar Podgorschek ... gives a speech [June 2018] to the [German] far-right AfD Thuringia in which he gives advice on how to take power and massively attacks the institutions of democracy. When this becomes public, Podgorschek faces fierce criticism and calls for his resignation. (Mauthausen Komitee Österreich, Viele Einzelfälle = Ein Muster 02.08.2019; my translation)
In that speech, Podgorschek endorsed the "Orbanization" of the press, a reference to the current authoritarian government of Hungary and its practice of bringing a much of the Hungarian media under the control of pro-government oligarchs. Podgorschek in 2019 was publicly pressured to step down from his state senate (Landesrat) position, in no small part because of this incident.

I was surprised this year that one scandal that I considered actually the most serious actually did not play a prominent role in this year's Nationalrat election. That was an action by the FPÖ Interior Minister Herbert Kickl in 2018 known as the "BVT affair," in which he organized an unusual police raid on the security bureau in his own ministry, an action which led to some European nations to cut back their cooperation with Austrian intelligence because of fears that Austria couldn't adequately protect sources and methods.

The trigger that set in rapid motion the ousting of Basti's right/far-right government was what quickly became known as the Ibiza Scandal that broke in May. German and Austrian investigative reporters revealed a video which showed two senior figures in the FPÖ, including Vice Chancellor Heinz-Christian Strache, proposing corrupt deals and illegal schemes to a woman they thought was the niece of a Russian oligarch in a villa on the popular vacation island of Ibiza. The video was shot in 2017 before that year's election, when Strache was still an opposition leader. (Neither has been convicted of any violations of law in connection with the video as of this writing.) Frederick Obermaier and Bastian Obermayer's book Die Ibiza-Affäre (2019) describes the Ibiza meeting and the unfolding of the scandal.

This led critics of Basti's 2017-19 government to refer to it as the "Ibiza government" and the FPÖ as the "Ibiza party."

The falling apart of Basti's turquoise-blue government was followed by some bitter polemics between the ÖVP and the FPÖ. Even if the FPÖ hadn't had such a low vote in this election, it would have been a real challenge to put together a new Ibiza coalition.

The election-night conventional wisdom among Austrian commentators was that an ÖVP-Green coalition is the most plausible. But that is by no means an easy negotiation either. Basti has made it clear he wants to continue with the basically hard right and anti-immigrant policies of his Ibiza government. In his first post-election comments to the ORF national news service, Green Party leader Werner Kogler was cautious about a coalition, emphasizing that the Greens wanted to "change radically" (radical ändern) from the Ibiza government's policies. Basti's climate policies are a bad joke. And he has been distinctly, demagogically anti-immigrant, including in the 2019 election campaign. The Greens have been the easily the most pro-immigrant of the five parties of the new Nationalrat. The Greens have just staged a big comeback. And in the EU election this year, the Greens were the most popular party among Austrian voters under 30. Basti will have to offer them a very good deal to make the advantages of being in government outweigh the risks of being in a conservative-leaning government headed by him

A government coalition of the ÖVP and SPÖ has governed Austria for a large part of the Second Republic's existence. But that was in a party formation that essentially consisted of those two parties and the FPÖ. Now the Greens and NEOS complicate that picture. Like the Greens, the SPÖ will have to calculate whether the possible benefits of being a junior partner to Basti's ÖVP in the government would outweigh the highly likely political losses it would entail. The example of Germany, where their sister party, the SPD, is falling behind the Greens, will (and should!) loom large in their consideration.

Basti brought down a coalition government with the Social Democrats in 2017 and one with the far-right party this year. So he doesn't exactly look like the ideal coalition partner for anybody.

Another important result of the election. The "Wunderwuzzi" (whiz-kid) aura that Basti had with a lot of journalists who should have known better was severely tarnished by this campaign. And the new SPÖ leader Pamela Rendi-Wagner not only shocked the press with how well she campaigned but managed to make her acknowledgement of the SPÖ's disappointing result sound like a rousing call for intensifying the fight. The strong Green vote compared to 2017 was due in large part to voters switching from the SPÖ to the Greens.

Wednesday, August 14, 2019

Der heilige Basti macht Wahlkampf für neue Ibiza-Regierung in Österreich

Hans Rauscher hat eine hilfreiche Definition von Rechtsextremismus des heutigen Europas (Eine rechtsextreme Partei wie andere auch Standard 14.08.2019):
Die FPÖ [Freiheitliche Partei Österreichs] ist keine Partei "wie andere auch". Sie ist eine (großteils) rechtsextreme Partei wie andere rechtsextreme Parteien auch. In Europa gehört die FPÖ zur Lega, zum Rassemblement National (früher Front National), zur AfD usw. Rechtsextremismus lässt sich trotz aller schwimmenden Grenzen und regionalen Unterschiede definieren. Zusammenfassend: Rechtsextremismus geht vom Idealbild eines ethnisch reinen Volkskörpers aus, der den anderen überlegen ist.

Um politisch die Vorherrschaft zu erlangen, macht der Rechtsextremismus "Angstpolitik" und behauptet, die einzige Möglichkeit, die Gefahr zu bewältigen, sei eine autoritäre Politik des "starken Mannes". Dazu braucht er äußere und innere Feinde, meist die "liberalen Eliten". Verschwörungstheorien sind fixer Bestandteil rechtsextremen Denkens. [meine Hervorhebungen]
Aber nach der NR-Wahl in September wird es schwer für Basti, eine neue Ibiza-Regierung mit den Blauen zu machen. Aber es ist wahrscheinlich, dass er nur mit einer so neuen türkis-blauen Regierung wieder Kanzler werden kann.

Johannes Huber schreibt (Super-GAU für Kurz DieSubstanz 14.08.2019):
Natürlich will die Neue Volkspartei nichts mit der jüngsten Affäre zu tun haben. Also fordert sie eine „rasche Aufklärung über den angeblichen FPÖ-Novomatic-Deal“ und nicht auch des Postenschachers bei den Casinos Austria, der Teil der ganzen Geschichte ist [und könnte peilicher für die ÖVP wirken]. ...

Praktisch könnten Sebastian Kurz und Co. bei der Nationalratswahl jedoch trotz allem gewinnen. Zumindest zunächst: Bricht die FPÖ ein, profitieren sie davon (und nicht Mitte-Links-Parteien). Darüber steht jedoch ein viel schwerwiegenderer Verlust: Die Option „Schwarz-Blau“ nach der Wahl ist erledigt. ...

.... Anders ausgedrückt: Eine Fortsetzung von Schwarz-Blau wäre mit dem Risiko verbunden, andauernd von irgendwelchen Affären überlagert zu sein; „Message out of control“, sozusagen – und zwar permanent.
Aber trotzdem, wie Huber richtig sagt, "Sebastian Kurz bedient neben ÖVP- vor allem FPÖ-Anhänger."

Dem heiligen Basti wird es schwierig, in einer Koalition mit Grün oden Rot sich selbst als der Erlöser und Volkstribun Österreichs zu inszenieren. Und die Grünen und die Roten haben wenig Grund, Basti as Koalitions-Partner zu vertrauen.

Tuesday, August 13, 2019

Strache, Gudenus und eine weitere Skandal-Untersuchung

Die "Einzelfällle" kommen nach!

Renate Graber, Razzia bei Strache, Gudenus & Co wegen Casinos-Postenschachers Standard 13.08.2019:
Unerwarteten Besuch gab es am Montag für den neuen Finanzvorstand der Casinos Austria, Peter Sidlo – und etliche andere.

Auch beim vormaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache, bei Ex-FPÖ-Klubchef Johann Gudenus und bei Novomatic-Chef und Casag-Aufsichtsrat Harald Neumann schauten die Ermittler nach.
Untersuchungen und Razzien sind natürlich nicht Anklagen oder gerichtliche Verurteilung.

Alle Organizationen könnten korrupt werden. Aber autoritäre Gruppen sind besonders geneigt, korrupt zu sein. Korrpution ist kein Zufall; sie ist eine nötwendige Teil eines autoritären Regierungsystem. "Zack, zack, zack."

Saturday, May 25, 2019

Rachel Maddow engagiert sich für die politische Krise in Österreich

Die amerikanische Journalistin Rachel Maddow von MSNBC berichtete Donnerstag (23.Mai) uber die heutige politische Krise in Österreich auf amerikanisch:


Der Bericht über Österreich beginnt kurz nach 15:30 im Video.

Ihr Bericht war im Allgemeinen gut. Bei Rachel Maddow denke ich immer wieder: "Das ist gut, aber ..." Das "Aber" hat in der Regel mit ihrem ständig frechen Sarkasmus zu tun, die selbst mir ein bisschen zu viel ist. Und während sie nicht frivole Blödheit sagt wie auf FOX News, ist sie manchmal sorglos um die Ränder.

Ihre Beschreibung der österreichischen Regierung, die in der vergangenen Woche auseinandergefallen ist, ist im Grunde richtig. Ihre Beschreibung des Skandal-Videos war anständig. Ihre Beschreibung der russischen Beziehungen der FPÖ war gut, und es ist sehr wichtig. Die Geheimdienste der anderen europäischen Länder halten die österreichische Geheimdienste nicht für zuverlässig, wenn es darum geht, Quellen und Methoden geheim zu halten, insbesondere aus Russland, und haben eine sehr eingeschränkte Zusammenarbeit mit ihnen, wie Maddow berichtet. Und sie hat Recht, das Österreichs Kanzler Sebastian "Milchgesicht" Kurz das Innenministerium (innere Sicherheit) und die Verteidigung an die rechtsextreme Freiheitlichen (FPÖ) gab. Sie hat es zu niedrig ausgewiesen sogar – und dass ist ein bisschen untypisch für sie! - weil Kanzler Milchgesicht vorschlug, auch der FPÖ das Justizministerium zu geben, und der Präsident (Alexander Van der Bellen) als Staatsoberhaupt die genehmigten FPÖ-Beauftragten für alle drei abgelehnt hat. So ging das Justiz Ministerium an die christdemokratische ÖVP.

Doch das Innenministerium dem abstoßenden Herbert Kickl zu geben, war das Schlimmste. Er war nicht einer der beiden Ibiza-Partyboys im Skandal-Video. Aber er ist eigentlich der Hauptstratege der Partei und ist auch ein Dick-Cheney-Stufe eines furchtbaren Menschen. (D.h., ein sehr niedrige Stufe!) Seit Anfang von Kickls Amtszeit als Innenminister betrachten die Geheimdienste der anderen europäischen Länder die österreichischen Geheimdienste nicht als zuverlässig, wenn es darum geht, Quellen und Methoden, insbesondere in Bezug auf Russland, geheim zu halten, und haben die Zusammenarbeit mit den österreichischen Diensten eingeschränkt.

Eine merkwürdige Sache an Maddows Bericht ist jedoch, dass sie die Namen der Hauptakteure nicht erwähnt. Ich mochte ihren Witz über Sebastian Kurz als „Baby-Kanzler“. Aber sie bezeichnete ihn als "diesen Kerl", ohne seinen eigentlichen Namen zu erwähnen! Ähnlich verhalten sind die beiden Jungs im Skandal-Video, (inzwischen ehemaliger) Vizekanzler Heinz-Christian Strache und (inzwischen ehemaliger) FPO-Parlamentschef Johann Gudenus, und auch (inzwischen ehemaliger) Innenminister Miister Herbert Kickl. Ihre Beschreibung des Prozesses, dass Kurz seine Regierung 2017 formte, war zwar zutreffend, aber ein bisschen schlampig, d.h., sie spricht von "dem jungen Kanzler", die die Regierung bildete. Aber er war noch nicht Kanzler, bis er tatsächlich eine Regierung bildete, die vom Präsidenten gebilligt wurde.

Maddow neigt dazu, über die russische Einmischung als meisterhafte Staatkunst zu sprechen. Doch obwohl die Förderung und Unterstützung der rechtsextremen Parteien zur politischen Instabilität beiträgt, hat die Auspeitschung von unvorsichtigen Schlägern wie Strache und Gudenus nicht unbedingt die Position und den Ruf der putinistische Parteien geschwächt. Es wird zumindest die CDU in Deutschland mehr Vorsicht für die Zusammenarbeit mit der rechtsextremen AfD zu haben. Auch Kurz ' Regierung war schmeichelnd in ihrer prorussischen Diplomatie. Aber sie fiel schneller auseinander als jede andere österreichische Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Und auf spektakulär peinliche Weise. Kurz selbst steht am Montag vor einem Misstrauensvotum, das ihn als einzigen österreichischen Kanzler nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Amt machen könnte, der aus dem Amt entfernt wird.

Die FPÖ als "die Partei, die von den Ex-Nazis gegründet wurde" zu bezeichnen, wie Maddow tut, ist zutreffend. Obwohl die relevantere Tatsache ist, dass sie 64 Jahre nach ihrer Gründung immer noch diese Perspektive kultivieren, meist technisch innerhalb der Zwänge des Anti-Nazi-Gesetzes. Die sozialdemokratischen und christdemokratischen Parteien schlossen auch ehemalige Nazi-Parteimitglieder nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die Besatzungsmächte haben sich bewusst dafür entschieden, das Wahlrecht nicht zulassen oder Personen zu ein Amt zu bekleiden verbieten, nur auf der Grundlage der NSDAP-Mitgliedschaft. Doch SPÖ und ÖVP waren Parteien, zu denen auch ehemalige Nazis gehörten. Aber die FPÖ wurde als Partei von politischer reuelosen Ex-Nazis gegründet, obwohl sie sich an die Anti-Nazi-Gesetze halten musste, sie war also zumindest nominell eine pro-demokratische Partei. (Siehe: Margit Reiter, Anton Reinthaller und die Anfänge der Freiheitlichen Partei Österreichs Vierteljahrhefte für Zeitgeschichte 66:2018) Und einige FPÖ-Figuren über die Jahrzehnte versuchten tatsächlich, die FPÖ in eine deutlicher liberal-demokratische Haltung zu drängen. Mit begrenztem Erfolg.

Es stört mich, dass Maddow ein bisschen ungenau ist. So hat die inzwischen nicht mehr existierende Regierung von Kurz-Strache die Überwachung und Durchsetzung von Rechtsextremisten zurückgefahren, aber sie hat sie nicht ganz abgeschaltet, wie sie sagt. In ihrer Beschreibung des Skandal-Videos sagt sie, Gudenus spreche zumindest auf elementarer Ebene Russisch. Ich spreche kein Russisch, aber ich habe noch nie gehört, dass Gudenus ' Russisch als Elementarebene beschrieben wurde. Gudenus ist der wichtigste offizielle russische Ansprechpartner der FPÖ, und er lebte und studierte eine Zeit lang in Russland. (Siehe: Leila Al-Serori et al, Wie die FPÖ Russland lieben lernte Süddeutsche Zeitung 20.05.2019)

Rachel Maddow takes on the Austrian political crisis

Rachel Maddow reported on the current Austrian political crisis on Thursday (May 23):


The Austria report starts just after 15:30.

Her report was generally good. With Rachel Maddow, I always find myself thinking, "that's good, but ..." The "but" usually has to do with her perpetually perky-snarkiness, which is a little too much even for me. And while she doesn't just make stuff up like on FOX News, she is sometimes careless around the edges.

Her description of the Austrian government that fell apart this past week is basically accurate. Her description of the scandal video was decent. Her description of the FPÖ's Russian ties was accurate, and it's a big deal. The other European countries' intelligence agencies don't consider Austrian intelligence to be reliable on keeping sources and methods secret, particualarly from Russia and have restricted cooperation with them, as she reports. And she's right about how Austria's Chancellor Sebastian "Babyface" Kurz gave the Interior Ministry (internal security) and Defense to the far-right FPÖ (Freedom Party). She even understates that a bit - uncharacteristic for her! - because Babyface proposed giving the FPÖ the Justice Ministry as well, and the President (Alexander Van der Bellen) as head of state refused to approved FPÖ appointees for all ehrte. so Justice went to the (Christian Democratic) ÖVP.

But giving the Interior Ministry to the repulsive Herbert Kickl was the worst. He wasn't one of the two Ibiza party boys in the scandal video. But he's actually the main strategist of the party and is also a Dick Cheney level of an awful person. Since early in Kickl's term as Interior Minister, the other European countries' intelligence agencies don't consider Austrian intelligence to be reliable on keeping sources and methods secret, particularly from Russia and have restricted cooperation with them.

One odd thing about Rachel's report, though, is that she doesn't mention the names of the main players. I did like her snarky dig at Sebastian Kurz about take-your-baby-Chancellor-to-work-day. But she referred to him as "this guy" without ever mentioning his actual name! Same with the two guys in the scandal video, (now former) Vice Chancellor Heinz-Christian Strache and (now former) FPO parliamentary leader Johann Gudenus, and also (now former) Interior Miister Herbert Kickl. Her description of the process of Kurz forming his government in 2017 was accurate but a bit sloppy, i.e., she talks about "the young Chancellor" forming the government. But he wasn't Chancellor until he actually did form a government approved by the President..

Rachel tends to talk about Russian meddling as master statecraft. But while encouraging and promoting the far-right parties does contribute to political instability, picking careless thugs like Strache and Gudenus hasn't necessarily strengthened the position and reputation of the Putinist parties. It's bound to make at least the CDU in Germany more leery of cooperating with the far-right AfD. Also, Kurz' government was fawning in its pro-Russian diplomacy. But it fell apart quicker than any Austrian government since WWII. And in a spectacularly embarrassing way. Kurz himself on Monday faces a no-confidence vote that could make him the only post-WWII Austrian Chancellor to be removed from office a parliamentary vote.

Describing the FPÖ as "the party that was founded by the ex-Nazis" is accurate. Although the more relevant fact is that 64 years after they were founded, they still cultivate that perspective, usually technically within the constraints of the anti-Nazi law. The social-democratic and Christian Democratic parties also incorporated ex Nazi Party members after WWII. The occupying powers made a conscious decision not to disenfranchise voters or forbid people from holding office just on the basis of NSDAP membership. But the SPÖ and ÖVP were parties that included fromer Nazis. The FPÖ was founded as the party of politically unrepentent ex-Nazis, although they had to conform to the anti-Nazi laws, so they were at least nominally a pro-democracy party. (See: Margit Reiter, Anton Reinthaller und die Anfänge der Freiheitlichen Partei Österreichs Vierteljahrhefte für Zeitgeschichte 66:2018) And some FPÖ figures over the decades actually did try to push the FPÖ into a more clearly liberal-democratic stance. With limited success.

It does bother me that she's a bit careless around the edges. For instance, the now-defunct Kurz-Strache government did cut back monitoring and enforcement against far-right extremists, but they didn't entirely shut it down, as she says. In her description of the scandal video, she says that Gudenus speaks Russian at least at an elementary level. I don't speak any Russian, but I've never heard Gudenus' Russian described as elementary-level before. Gudenus is the FPÖ's main official Russian contact, and he lived and studied in Russia for a while. (See: Leila Al-Serori et al, Wie die FPÖ Russland lieben lernte Süddeutsche Zeitung 20.05.2019)

Wednesday, May 22, 2019

Kann Sebastian Kurz es schaffen, Kanzler Österreichs für eine Woche länger zu bleiben? [Korregiert 23.05.2019]

Für ein Nachrichten-Junkie ist es ein Traum, der politischen Krise in Österreich zu folgen. Vor allem, da Österreich starke genug demokratische Institutionen hat, die selbst eine historisch dramatische Regierungskrise ohne Straßenkämpfe oder Schlachten zwischen Milizen durchzukommen können. Solche Gruppen hatte Österreich in den 1920er und 1930er Jahren.

Ab diesem Punkt hat die rechtsextreme FPÖ der Regierung von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ihre Unterstützung entzogen. Kurz hat mit Erlaubnis des Präsidenten und Staatschefs Alexander Van der Bellen den Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) aufgekündigt. Es ist das erste Mal in der Geschichte der aktuellen Österreichischen Republik nach 1945, dass ein Bundesminister aufgekündigt wird, anstatt einen Rücktritt einzureichen.

Alle verbliebenen FPÖ-Minister sind am Montagabend zurückgetreten. Einzige Ausnahme ist die Außenministerin Karin Kneissl, die als "nah" an der FPÖ gilt, obwohl sie technisch nicht Mitglied ist, und sie wurde von der FPÖ-Führung empfohlen. Kurz ' 2017 Koalitionsvertrag mit der FPÖ beteiligt daran, ihnen das Innenministerium (innere Sicherheit), Verteidigung, Justiz und Auswärtige Angelegenheiten zu geben. Van der Bellen verweigerte, alle drei Sicherheitsbehörden der FPÖ zu erlauben und so ging Justiz an die ÖVP.

Warum Kneissl geblieben ist, ist unklar. Es kann sein, dass sie den Posten einfach nicht aufgeben wollte. Oder dass die FPÖ wollte, dass sie bleibt, obwohl die wollte, dass alle FPÖ-Mitglieder ausscheiden. Kneissl ist vor allem dafür bekannt, dass sie Wladimir Putin im vergangenen Jahr zu ihrer Hochzeit eingeladen hat und sich buchstäblich auf ihr Knie vor ihm beugt.



Van der Bellen nahm am Mittwoch vier von Kurz vorgeschlagene "Experten" zur Besetzung der frei werdenden Stellen an. (Karl Ettinger et al, Die Neuen - ein Wink in Richtung SPÖ Wiener Zeitung 22.05.2019)

Aber es ist durchaus möglich, dass Kurz selbst durch ein Misstrauensvotum im Parlament aus der Kanzlerschaft entfernt wird. Das würde bedeuten, dass Van der Bellen für die Übergangszeit vor der Wahl im September und unmittelbar danach, während eine neue Regierung gebildet wird, einen neuen Kanzler ernennen könnte. Das ist in parlamentarischen Demokratien nicht häufig, aber auch nicht ungewöhnlich. Es wäre aber das erste Mal in Österreichs Zweiter Republik. Der neue Kanzler müsste österreichischer Staatsbürger sein, aber kein Abgeordneter.

Kurz ist der Shooting-Star der österreichischen Politik. Während der Einwanderungskrise 2015-16 stellte Kurz sich selbst als Österreichs Retter von den beängstigenden Ausländern und von Angela Merkel dar. Es war eine Scheinleistung. Der Flüchtlingszustrom wurde 2016 durch Merkels Deal mit der Türkei gebremst, nicht durch die "Schließung der Balkanroute", für die Kurz Anerkennung fand. Anschließend hatte er die ÖVP aus ihrer Koalition mit der SPÖ (mitte-links Sozialdemokratische Partei) ausziehen lassen.

Im Wahlkampf 2017 setzte er sich grundsätzlich für eine ÖVP/FPÖ-Koalition ein. Ich habe 2017 an einer Live-Debatte in Linz der drei Kanzler-Kandidaten - Kurz, Strache und der damalige Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) - besucht. Auffallend war, dass Kurz und Strache auf ernsthafte Kritik untereinander verzichteten. Es zeigte sich auch, dass Strache am erfahrensten war, als es sich mit dieser Art von Wahlkampf gemütlich machte. Er präsentierte ein gemäßigtes (für ihn) Gesicht und war deutlich bequemer darin, vor dem Publikum zu sein und sich mit einem Publikum zu verbinden. Kurz selbst hatte damals 31 Jahren und als er im Dezember 2017 Kanzler wurde. Er setzte sich für Fremdenfeindlichkeit ein und war froh, eine Koalition mit der FPÖ zu bilden, wohl wissend, wer und was sie sind.

Kurz ist besessen von Nachrichtenkontrolle und scheint enormes Vertrauen in seine Fähigkeit zu haben, sich über Nacht in der Öffentlichkeit neu zu erfinden. Dieser Artikel der Financial Times vom Januar 2019 zeigt, dass es ihm gelungen ist, ein Gleichgewicht zu wahren, indem er pro-europäischen Konservativen und rechtsextremen Xenophoben nachgab.
Doch seine Regierung stürzte in der letzten Woche spektakulär ab. Und nun posiert er als Retter des Landes aus dem Schlamassel, das er selbst geschaffen hat, indem er die FPÖ in die Regierung aufnimmt und nicht in der Lage war, ihr Handeln zu kontrollieren, nicht einmal, um sie an seiner bevorzugten öffentlichen Botschaft zu festhalten.

Das ist für ihn eine neue Herausforderung. Er hat auf dem einwanderungsfeindlichen Pferd in Zusammenarbeit mit der FPÖ ins Kanzleramt geritten. Doch Kurz selbst führt nicht gut bei nicht-inszenierten Auftritten vor Publikum oder der Presse aus. In dieser letzte Woche ging er wieder in den Wahlkampfmodus und tat so, als könne er sich mitten in seiner eigenen Katastrophe sofort neu erfinden. Er hat sich nach seinen öffentlichen Auftritten in dieser Woche geweigert, Fragen aus der Presse zu nehmen, und gab ein Pressegespräch nur einem freundlichen Reporter der deutschen Boulevardzeitung Bild-Zeitung . [Korrektur: 23.05.2019: Kurz nahm nach seiner Ankündigung am Mittwochnachmittag Fragen aus der Presse 22.05.2019] Aber er hat nicht überzeugend behaupten können, dass er seine Verantwortung als Regierungschef ernst nimmt oder sich wirklich um seine Auswirkungen auf das Land sorgt.

Dieser Podcast aus Falter mit Armin Thurnher, Florian Klenk, Nina Horaczek und Josef Redl spricht darüber, wie Kurz sich wieder einmal als unversehrt von der Vergangenheit, einem Mann der politischen Unbefleckten Empfängnis, präsentieren will.Der türkis-blaue Absturz 21.05.2019:


Kurz darf nicht mehr viel Kanzler sein. Aber gerade jetzt setzt er sich dafür ein, bei den Wahlen im September eine neue Amtszeit zu gewinnen. Diese Analyse von Natascha Strobl auf der SPÖ-Website Kontrast.at, Die 6 rhetorischen Tricks von Sebastian Kurz in Zeiten der Krise 21.05.2019 spricht über seine sechs Grundaussagen in seiner jüngsten Neuerfindung der letzten Tage. Dies sind ihre Zusammenfassungen der sechs Botschaften, die sie aus seinen Präsentationen nimmt:
  • Ich konnte es nicht voraussehen und bin erschüttert
  • Der Bundespräsident und ich übernehmen Verantwortung
  • Die FPÖ hat das gute und gelungene Projekt zerstört
  • Die Sozialdemokratie ist genauso schlimm wie die FPÖ
  • Tal Silberstein statt FPÖ!
  • Nur mit mir wird es gut
Zum dritten Punkt: Tal Silberstein ist ein israelischer Politikberater, der 2017 für die SPÖ gearbeitet hat. Sowohl die FPÖ als auch Kurz haben ohne jeden Beweis vorgeschlagen, dass er es gewesen sein könnte, der den Lockvogelaktion auf Ibiza ins Leben gerufen hat, die Kurz in der vergangenen Woche mit dem Sturz seiner Regierung zu Fall gebracht hat. Ja, beide sind dorthin gegangen: Es musse eine Verschwörung sein, an der jemand mit einem jüdisch klingenden Namen beteiligt ist. (Siehe: Rabinovici: Kurz’ „Spiel“ mit Antisemitismus ORF 20.05.2019)

Strobl betont, dass Kurz ' Äußerungen auf eine anhaltende Bereitschaft hinweisen, mit der FPÖ eine Regierung zu bilden, vielleicht sogar eine Vorliebe dafür :
Das negative Gegensatzpaar zur FPÖ ist immer die Sozialdemokratie. Kurz lässt in keinem seiner Statements ein Hinhauen auf die SPÖ aus. Diese sei „nicht Willens“ ihn zu unterstützen und damit Verantwortung zu übernehmen. In Wahrheit bastle diese sogar an einem Linksruck in Europa, der ja eigentlich fast noch schlimmer als ein Rechtsruck sei.

Das Projekt Schwarz-Blau ist für Kurz keineswegs gescheitert oder in der Zukunft undenkbar. Er stößt sich an einzelnen Personen in der FPÖ und ihrem „Stil“, wie er betont. Er stößt sich nicht grundsätzlich am Agieren der FPÖ in Regierungsverantwortung.

Will Sebastian Kurz be able to remain as Austrian Chancellor for another week? [Updated 05/23/2019]

Following Austria's political crisis is a news junkie's dream, especially since Austria has strong enough democratic institutions that even a historically dramatic government crisis does not involve fighting in the streets or competing militia groups, as there were in the 1920s and 1930s.

As of this point, the far-right FPÖ has withdrawn its support from the government of Chancellor Sebastian Kurz (ÖVP). Kurz with the permission of the President and head of state Alexander Van der Bellen, fired Interior Minister Herbert Kickl (FPÖ). It's the first time since the current post-1945 Austrian Second Republic that a Cabinet Minister has actually been fired, as opposed to submitting a resignation.

All the remaining FPÖ Ministers resigned Monday evening. The only exception is the Foreign Minister Karin Kneissl, who is considered "close to" the FPÖ, although not technically a member, and she was recommended by the FPÖ leadership. Kurz' 2017 coalition agreement with the FPÖ involved giving them the Interior Ministry (internal security), Defense, Justice, and Foreign Affairs. Van der Bellen balked at allowing all three of the security agencies to the FPÖ and so Justice went to the ÖVP.

It's not clear why Kneissel stayed. It may be that she just didn't want to give up the post. Or that the FPÖ wanted her to stay even though they wanted all the FPÖ members to leave. Kneissel is most famous for inviting Vladimir Putin to her wedding last year and literally bowing down on her knee before him.



Van der Bellen on Wednesday accepted four "experts" proposed by Kurz to fill the vacated positions. (Karl Ettinger et al, Die Neuen - ein Wink in Richtung SPÖ Wiener Zeitung 22.05.2019)

But it's very possible that Kurz himself will be removed from the Chancellorship through a no-confidence vote in Parliament. That would mean Van der Bellen could appoint a new Chancellor for the interim period before election in September and immediately thereafter, while a new government is being formed. This is not a frequent occurrence in parliamentary democracies but not an unusual one, either. But it would be the first time in Austria's Second Republic. The new Chancellor would have to be an Austrian citizen but does not have to be a Member of Parliament.

Kurz has been the shooting star of Austrian politics. During the immigration crisis of 2015-16, Kurz as Foreign Minister postured as Austria's savior from the scary foreigners and Angela Merkel. It was a sham performance. The influx of refugees was curbed in 2016 by Merkel's deal with Turkey, not by the "closing of the Balkan route" for which Kurz took credit. He then had the ÖVP withdraw from its coalition with the SPÖ (center-left Social Democratic Party).

In the 2017 campaign, he basically campaigned for an ÖVP/FPÖ coalition. I attended a live debate in Linz in 2017 of the three Chancellor candidates: Kurz, Strache, and then-Chancellor Christian Kern (SPÖ). It was striking that Kurz and Strache were refraining from serious criticisms of each other. It was also evident that Strache was the most experienced at comfortable with retail politics. He presented a moderate (for him) face and was clearly more comfortable with being before the public and connecting with an audience. Kurz himself was 31 at the time and when he became Chancellor in December 2017. He campaigned on xenophobia and was happy to make a coalition with the FPÖ knowing very well who and what they are.

Kurz is obsessed with message control and appears to have enormous confidence in his ability to reinvent himself overnight in the public eye. This Financial Times piece from January 2019 shows that he was successful in maintaining a balance in pandering to pro-European conservatives and far-right xenophobes.
But his government came crashing down spectacularly within the last week. And now he is posing as the country's savior from the mess he himself created by taking the FPÖ into the government and being unable to control their actions, not even to hold them to his preferred public messaging.

This is a new kind of challenge for him. He rode the anti-immigrant horse to the Chancellorship in cooperation with the FPÖ. But Kurz himself is not good at unstaged appearances before the public or the press. This week, he went back into election campaign mode and acted as though he could instantly reinvent himself in the middle of his own catastrophe. He has refused to take questions from the press after his public appearances this week, and gave a press interview only to a friendly reporter from the German tabloid Bild-Zeitung. [Update 05/23/2019: Kurz did take questions from the press after his announcement on Wednesday afternoon, 05/22/2019] But he hasn't been able to give a convincing pretence that he takes seriously his responsibility as the head of government or has real concern for its effects on the country.

This podcast (in German) from Falter featuring Armin Thurnher, Florian Klenk, Nina Horaczek und Josef Redl talks about how Kurz is trying once again to present himself as unsullied by the past, a man of political Immaculate Conception. Der türkis-blaue Absturz 21.05.2019:


Kurz may not be Chancellor much longer. But right now, he's campaigning to win a new term in the September elections. This analysis by Natascha Strobl in the SPÖ website Kontrast.at, Die 6 rhetorischen Tricks von Sebastian Kurz in Zeiten der Krise 21.05.2019 talks about his six basic messages in his latest reinvention the last few days. These are her summaries of the six messages she takes from his presentations:
(All translations from German in this post are mine.)
  • I couldn't foresee it and I am devastated
  • The President and I take responsibility
  • The FPÖ has destroyed our good and successful [govermental] project
  • The Social Democrats [SPÖ] are just as bad as the FPÖ
  • Tal Silberstein instead of FPÖ!
  • Only I can make things right
On the third point, Tal Silberstein is an Israeli political consultant who has did work for the SPÖ in 2017. Both the FPÖ and Kurz have suggested without any evidence that he may have been the was who set up the sting operation in Ibiza that wound up bringing down Kurz' government this past week. Yes, they both went there: it must be a conspiracy involving somebody with a Jewish-sounding name. (See: Rabinovici: Kurz’ „Spiel“ mit Antisemitismus ORF 20.05.2019)

Strobl stresses that Kurz' statements indicate a continued willingness to form a government with the FPÖ, maybe even a preference for it:
The negative pair of opposites with the FPÖ is always the SPÖ. Kurz does not leave a dig at the SPÖ out of any of his statements. They was "not willing" to support him and thus to take responsibility. In truth [claims Kurz], they are even tinkering with a shift to the left in Europe, which [Kurz presents as] actually almost worse than a shift to the right.

The ÖVP/FPÖ project has by no means failed, in Kurz’ telling, nor is a new version unthinkable in the future. He takes digs at individuals in the FPÖ and their "style," as he calls it. He does not make any basic pushback against the actions of the FPÖ while they had governmental responsibility.

Sunday, May 19, 2019

Regierungskrise in Österreich

Das war ein ungewöhnlich spannendes Wochenende in der österreichischen Politik!

Freitag um 6:00:00 Uhr österreichischer Zeit, die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel veröffentlichten Auszüge aus einem Video, das 2016 Juli 2017 heimlich gedreht wurde und Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der rechtsextremen Freiheitlichen Partei (FPÖ) und dem Parteivorsitzenden im österreichischen Der Parlamentsabgeordnete Johann Gudenus schlug einer Frau, von der sie dachten, sie sei die Nichte eines russischen Oligarchen.

Bis zum Mittag Samstag war Strache zurückgetreten, als Vizekanzler und Gudenus ebenfalls auch. Die FPÖ ist seit Dezember 2017 Juniorpartner in der Landesregierung des Kanzler Sebastian Kurz und seiner konservativen, christdemokratischen Volkspartei (ÖVP). Um 7:45 Samstagabend gab Kurz eine öffentliche Erklärung ab, in der er das Ende seiner Koalition erklärte und Neuwahlen forderte, die voraussichtlich im September stattfinden werden. Bis dann, die aktuelle Regierung wird weiter dienen.

Danach trat der Präsident (Staatsoberhaupt) Alexander Van der Bellen öffentlich auf und bekräftige das Konzept der Neuwahl und betonte die beschämende Art dessen, was Strache und Gudenus auf dem Video sagten. Strache jammerte in seiner Rücktrittserklärung, dass die Falle von einem Geheimdienst inszeniert worden sei. Typisch für die harte Rechte in Europa und Amerika, ist er immer das Opfer, das von "links" verfolgt wird. Das Video selbst habe Strache aber nicht als gefälscht bestritten.

Zwischen Straches Rücktritt und Kurz ' Rede versammelte sich eine große Menschenmenge auf dem Ballhausplatz in Wien vor dem Kanzler-Gebäude. Die Zahlen aus den Presseberichten und Video liegen scheinbar in den Zehntausenden. Sie protestierten friedlich und viele skandierten "Neu-Wahl-En."

Der ehemalige kalifornische Gouverneur Jerry Brown sprach von "demokratischen Momenten", Beugungspunkten, die die Menschen mobilisieren, sich in der Politik zu engagieren und die Menschen neu schätzen lassen für die "Macht des Volkes". Ich würde beschreiben, was wir an diesem Wochenende erlebt haben, als so ein Moment. Es basierte auf einer Presseenthüllung eines Films, der von unbekannten und wahrscheinlich sehr schattigen Quellen gemacht wurde. Doch nach anderthalb Jahren, von FPÖ-Provokationen und antidemokratischen Bemühungen verschiedener Art, um Österreich in Richtung einer autoritären, im ungarischen Stil "illiberalen Demokratie" zu drängen, hatten wir eine rasche Umgestaltung der politischen Bühne in eine demokratische Richtung.

Demokratische Momente mehr als Momente zu machen, erfordert natürlich viel Aufwand von verantwortungsbewussten Politikern und Aktivisten. Bleiben Sie dran.

Hier finden Sie mehrere Berichte über die Ereignisse am Wochenende.

Caught in the Trap Süddeeutsche Zeitung; Zugriff 19.05.2019

Walter Mayr, Kontrolle entglitten: Österreichs Regierungskrise Spiegel Online 18.05.2019

Caught in the Trap Süddeeutsche Zeitung; accessed 19.05.2019

Die wichtigsten Fakten zum Strache-Video Süddeeutsche Zeitung 17.05.2019

The Strache Recordings - The whole Story Spiegel International 05/17/2019

Nina Horaczek, Blaue Liebesgrüße nach Moskau Falter 17.05.2019

Boris Groendahl, Austria’s Kurz Seeks to Rule Alone After Nationalists Toppled Bloomberg News 05/18/2019

Jon Henley and Philip Oltermann, Austria to move fast to hold elections after coalition collapses Guardian 18.05.2019

Das türkis-blaue Ende in Zitaten: "Falle, Falle, eine eingefädelte Falle" Standard 19.05.2019

Christoph Kotanko, Analyse: Warum es Sebastian Kurz reicht Oberösterreichische Nachrichten 18.05.2019

Walter Hämmerle, Die FPÖ nach Strache Wiener Zeitung 19.05.2019

SPÖ fordert Experten für Übergangsphase in Ministerien Vorarlberger Nachrichten 19.05.2019: "The SPÖ is calling for the three ministries of Justice, Defence and Interior to be filled by independent experts as soon as possible in the transition period to a new government." (Meine Übersetzung)

ORF hat bis zum kommenden Freitag auf ihrer Website eine 45-minütige Dokumentation über die Geschichte der FPÖ und ihrer Vorgängerbewegungen zur Verfügung, Im Brennpunkt: Das Dritte Lager 18.05.2019

Government Crisis in Austria

This has been an unusually exciting weekend in Austrian politics!

Friday at 6:00pm Austrian time, the German Süddeutsche Zeitung and Der Spiegel published excerpts from a video secretly shot in 2016 July 2017 showing Vice Chancellor Heinz-Christian Strache of the far-right Freedom Party (FPÖ) and the leader of his party in the Austrian Parliament, Johann Gudenus, proposing some very dubious business to a woman they thought was the niece of a Russian oligarch.

By midday Saturday, Strache had resigned as Vice Chancellor and Gudenus from his post. The FPÖ since December 2017 has been the junior partner in the national government with Chancellor Sebastian Kurz' conservative, Christian Democratic Peoples' Party (ÖVP). At 7:45 Saturday evening, Kurz' gave a public statement declaring the end of his coalition and calling for new elections, which will probably be held in September. Unttl then, the current government will continue to serve.

Afterward, the President (head of state) Alexander Van der Bellen appeared publicly and endorsed the concept of new election and emphasized the shameful nature of what Strache and Gudenus were saying on the video. Strache in his resignation statement whined that the trap was staged by an intelligence service. Typical for the hard right in Europe and America, he's always the victim being persecuted by "the left". But he didn't dispute the video itself as falsified.

Between Strache's resignation and Kurz' speech, a large crowd gathered in the Ballhausplatz in Vienna in front of the Chancellor's building. The numbers from the press reports and video seem to have been in the tens of thousands. They were there peacefully protesting and many chanting "Neu-Wahl-En", i.e., new elections.

Former California Governor Jerry Brown talked about "democratic moments," inflection points which mobilize people to engage in politics and make people newly appreciative of "people's power." I would describe what we saw this weekend as such a moment. It was based on a press revelation of a film made by unknown and probably very shady sources. But after a year and a half when FPÖ provocations and anti-democratic efforts of various kinds to push Austria in the direction of an authoritarian, Hungary-style "illiberal democracy," we had a rapid reshuffling of the political stage in a democratic direction.

To make democratic moments more than moments, of course, requires a lot of effort by responsible politicians and activists. Stay tuned.

Here are several reports on the weekend's events.

Walter Mayr, Kontrolle entglitten: Österreichs Regierungskrise Spiegel Online 18.05.2019

Caught in the Trap Süddeeutsche Zeitung; accessed 19.05.2019

Caught in the Trap Süddeeutsche Zeitung; accessed 19.05.2019

Die wichtigsten Fakten zum Strache-Video Süddeeutsche Zeitung 17.05.2019 The Strache Recordings - The whole Story Spiegel International 05/17/2019

Nina Horaczek, Blaue Liebesgrüße nach Moskau Falter 17.05.2019

Boris Groendahl, Austria’s Kurz Seeks to Rule Alone After Nationalists Toppled Bloomberg News 05/18/2019

Jon Henley and Philip Oltermann, Austria to move fast to hold elections after coalition collapses Guardian 18.05.2019

Das türkis-blaue Ende in Zitaten: "Falle, Falle, eine eingefädelte Falle" Standard 19.05.2019

Christoph Kotanko, Analyse: Warum es Sebastian Kurz reicht Oberösterreichische Nachrichten 18.05.2019

Walter Hämmerle, Die FPÖ nach Strache Wiener Zeitung 19.05.2019

SPÖ fordert Experten für Übergangsphase in Ministerien Vorarlberger Nachrichten 19.05.2019: "Die SPÖ fordert, dass in der Übergangsphase bis zu einer neuen Regierung die drei Ministerien Justiz, Verteidigung und Inneres schnellstmöglich mit unabhängigen Experten besetzt werden."

ORF has a 45 minute documentary in German on the history of the FPÖ and their predecessor movements available on their website through next Friday, Im Brennpunkt: Das Dritte Lager 18.05.2019

Tuesday, April 30, 2019

Kurze Geschichte von der "Austausch" Parole

Fabian Schmid et al definiert die "Austausch" Parole der Indentitären und Freiheitliche (FPÖler) in Was hinter der rechtsextremen Theorie des "Großen Austauschs" steckt Standard 30.04.2019:
Ihre Wurzeln hat selbst diese Theorie des "Austauschs" im Nationalsozialismus. Der Bevölkerungswissenschafter Friedrich Burgdörfer sprach schon 1929 von der "Umvolkung" der Deutschen, deren Überleben durch den "Geburtenrückgang" bedroht sei.

Von einer "Umvolkung", später einer "Ethnomorphose", sprach in den 1990er-Jahren schon der freiheitliche Vordenker Andreas Mölzer. Auch Jörg Haider nahm diese Gedanken auf. Strache brauchte auch keine Identitären, um vom Bevölkerungsaustausch zu sprechen. Bereits 2006 plädierte er dafür, die "Politiker auszutauschen, bevor diese die Bevölkerung austauschen". Diese Wortwahl zeigt auch, dass Strache schon vor 13 Jahren – ebenso wie dieses Wochenende in der "Krone" und auf Facebook – davon spricht, dass Politiker aktiv "die Bevölkerung austauschen"[.]
Prägnant und gut gesagt.

Wednesday, April 24, 2019

Political background for Austria, April 2019

No, this is not an attempt to compete with Wikipedia's entry on Austria.

I'm posting it so that I can reference it as background in posts about current events and issues in Austria.

(German version of this post here.)

Austria is a small country with a population of around nine million. It is officially neutral and not formally part of a military alliance, and its military strength can reasonably to described as negligible compared to European countries like France, Britain, and Germany. (This 2018 ranking shows Austrian military strength as #22 out of the top 25 European military powers: Christopher Woody, NATO and Russia are flexing their military might right next to each other — here are the 25 most powerful militaries in Europe Business Insider 02.11.2018.) It is a rich country with high per capita income and important international business and financial ties. Its main diplomatic influence is assumed to be in the Balkan area. It is also currently trying to actively cooperate with the Visegrad countries - Hungary, Czechia, Slovakia, and Poland.

This means that Austria only tends to make international news when there is some national disaster or some awful political incident. Even in Germany and Switzerland, the news carries relatively little news from Austria.

The three largest political parties are the Social Democrats (Sozialdemokratische Partei Österreichs, SPÖ), the (Christian Democratic) People's Party (Österreichische Volkspartei, ÖVP), and the Freedom Party (Freiheitliche Partei Österreichs, FPÖ). There are also smaller parties , including the Greens, Jetzt (essentially a competing Green party), and the NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum, a democratic liberal party, liberal in the European sense).

At the European level, they also participate as members of their respective European and other international party alliances:
  • SPÖ: Socialist International, Progressive Alliance, Party of European Socialists
  • ÖVP: European People's Party (EPP)
  • FPÖ: Movement for a Europe of Nations and Freedom (MENF)
  • Greens: Global Greens, European Green Party
  • Jetzt: None as of 04/24/2019; this is a fairly recent split-off group from the Greens and currently not represented in the European Parliament
  • NEOS: the Liberal International and the Alliance of Liberals and Democrats for Europe Party (ALDE Party).
The FPÖ has been controversial ever since it was formally established in 1955 because it focused on drawing the support of former Nazis and people who still found the Nazi program and policies appealing. There is a German word Ehemalige ("formers") that in Austria and Germany was used ironically to refer to ex-Nazis and Nazi sympathizers who had not de-Nazified their political perspectives. The SPÖ and ÖVP also included former Nazis in the postwar period, some of which were dubious choices for party membership.

There was nothing inherently wrong in including (genuinely former) Nazis in the postwar democratic parties. There was a large percentage of the Austrian male population who had been Nazi Party members. Excluding them all from parties and elected offices would not have been practical nor particularly democratic. The Nazi Party itself was banned in postwar Austria, as also in Germany, and it was and still is illegal to try to revive the Nazi Party or any group with equivalent politics. "Denazification" in Austria and Germany was not nearly as extensive or effective as most Americans probably think it was. But the laws did mean that every Austrian Nazi became technically a former Nazi, since the party itself was outlawed.

But the FPÖ has been distinctive in continuing to this day to focus on attracting far right voters and for flirting with symbols and rhetoric that were associated with the Nazis.

A national government with the ÖVP as the senior partner and the FPÖ as the junior partner took office in December 2017. It is referred to as a "black-blue" government, from the respective party colors for the ÖVP and FPÖ. The ÖVP Chancellor Sebastian Kurz has formed an informal but distinctive faction of his own within the ÖVP, referred to as "turquoise." So the coalition is also called "turquoise-blue," especially when emphasizing policies on which the government draws criticism for many ÖVP leaders and voters.

The FPÖ Vice Chancellor Heinz-Christian Strache has been emphasizing anti-immigrant themes for years, well before the unusually high influx of refuges in 2015. And he makes sure that the FPÖ is constantly pushing the Overton window on what is considered respectable political language and policies to the right. Kurz has generally competed with Strache as to which of the two appears more hostile to immigrants.

The state (provincial) governments currently have the following configurations (senior partner listed first):
  • Burgenland: SPÖ/FPÖ
  • Carinthia: SPÖ/ÖVP
  • Lower Austria: ÖVP/SPÖ/FPÖ
  • Salzburg: ÖVP/Greens/NEOS
  • Styria: SPÖ/ÖVP
  • Tirol: ÖVP/Greens
  • Upper Austria: ÖVP/FPÖ
  • Vienna: SPÖ/Greens
  • Vorarlberg: ÖVP/Greens
Coalitions of the SPÖ and ÖVP are also called Grand Coalitions, whichever party is the senior one.

Politischer Hintergrund für Österreich, April 2019

Nein, das ist kein Versuch, mit dem Eintrag von Wikipedia über Österreich zu konkurrieren.

Ich schreibe es so, dass ich es als Hintergrund in Beiträgen über aktuelle Ereignisse und Themen in Österreich verweisen kann.

(Englische Version dieses Beitrags hier.)

Österreich ist ein kleines Land mit rund neun Millionen Einwohnern. Es ist offiziell neutral und formal kein Teil eines Militärbündnisses, und ihre militärische Stärke kann im Vergleich zu europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland vernünftigerweise als vernachlässigbar bezeichnet werden. (Dieses Ranking für 2018 zeigt die militärische Stärke Österreichs als #22 der 25 größten europäischen Militärmächte: Christopher Woody, NATO und Russland lassen ihre militärische Macht direkt nebeneinander — hier sind die 25 mächtigsten Militärs in Europe Business Insider 02.11.2018.) Es ist ein reiches Land mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen und wichtigen internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen. Sein wichtigster diplomatischer Einfluss wird in der Balkanregion vermutet. Sie versucht derzeit auch, aktiv mit den Visegrad-Ländern-Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen-zusammenzuarbeiten.

Das bedeutet, dass Österreich nur dann zu internationalen Nachrichten neigt, wenn es zu einer nationalen Katastrophe oder zu einem schrecklichen politischen Zwischenfall kommt. Auch in Deutschland und der Schweiz bringt die Nachricht relativ wenig Nachrichten aus Österreich.

Die drei größten politischen Parteien sind die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ), die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ). Es gibt auch kleinere Parteien, darunter die Grünen, Jetzt (im Wesentlichen eine konkurrierende grüne Partei) und das NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum, eine demokratische liberale Partei, liberal im europäischen Sinne). Auf europäischer Ebene nehmen sie auch als Mitglieder ihrer jeweiligen europäischen und anderen internationalen Parteienverbünde teil:
  • SPÖ: Sozialistische Internationale, Progressive Allianz, Partei der Europäischen Sozialisten
  • ÖVP: European People's Party (EPP)
  • FPÖ: Bewegung für ein Europa der Nationen und der Freiheit (MENF)
  • Die Grünen: Globale Grüne, Europäische Grüne Jetzt: Keine (24.04.2019); Es handelt sich um eine ziemlich junge Splitterpartei von den Grünen, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten ist.
  • NEOS: Die Liberale Internationale und die Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE Party).
Die FPÖ ist seit ihrer formellen Gründung 1955 umstritten, weil sie sich darauf konzentrierte, die Unterstützung ehemaliger Nazis und Menschen zu gewinnen, die das Nazi-Programm und -Politik noch immer für attraktiv hielten. Es gibt ein deutsches Wort Ehemalige, das in Österreich und Deutschland ironisch verwendet wurde, um sich auf Ex-Nazis und Nazi-Sympathisanten zu beziehen, die ihre politischen Perspektiven nicht entnazifiziert hatten. SPÖ und ÖVP zählten auch ehemalige Nazis in der Nachkriegszeit auf, die zum Teil zweifelhafte Weichenstellungen für die Parteimitgliedschaft waren.

Es war grundsätzlich nichts falsch, Nazis in die demokratischen Parteien der Nachkriegszeit aufzunehmen. Es gab einen großen Prozentsatz der österreichischen männlichen Bevölkerung, die Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Sie alle von Parteien und gewählten Ämtern auszuschließen, wäre weder praktisch noch besonders demokratisch gewesen. Die NSDAP selbst wurde im Nachkriegsösterreich wie auch in Deutschland verboten. Und es war und ist illegal, zu versuchen, die Nazipartei oder irgendeine Gruppe mit gleichwertiger Politik wiederzubeleben. Die "Entnazifizierung" in Österreich und Deutschland war nicht annähernd so umfangreich oder effektiv, wie die meisten Amerikaner wahrscheinlich denken. Aber die Gesetze bedeuteten, dass jeder österreichische Nazi technisch ein ehemaliger Nazi wurde, da die Partei selbst verboten war.

Aber die FPÖ hat sich bis heute deutlich dafür eingesetzt, rechtsextreme Wähler anzulocken und mit Symbolen und Rhetorik zu flirten, die mit den Nazis in Verbindung gebracht wurden.

Eine Landesregierung mit der ÖVP als Seniorpartner und der FPÖ als Juniorpartner hat das Amt im Dezember 2017 übernommen. Sie wird als "schwarz-blaue" Regierung bezeichnet, aus den jeweiligen Parteifarben für ÖVP und FPÖ. Der Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat innerhalb der ÖVP eine informelle, aber unverwechselbare Fraktion gebildet, die als "türkis" bezeichnet wird. Die Koalition wird also auch als "türkis-blau" bezeichnet, vor allem, wenn man die Politik betont, auf der die Regierung Kritik für viele ÖVP-Spitzenpolitiker und Wähler zieht.

Der Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) betont seit Jahren einwanderungsfeindliche Themen, lange vor dem ungewöhnlich hohen Zustrom von Schutzhütten 2015. Und er sorgt dafür, dass die FPÖ immer wieder das Overton-Fenster zu dem, was als respektable politische Sprache und Politik gilt, nach rechts drückt. Kurz hat generell mit Strache konkurriert, welcher der beiden den Einwanderern feindseliger gegenübersteht.

Die Regierungen der Bundesländer haben derzeit folgende Konfigurationen (Senior Partner, die zuerst aufgeführt sind):
  • Burgenland: SPÖ/FPÖ
  • Kärnten: SPÖ/ÖVP
  • Niederösterreich: ÖVP/SPÖ/FPÖ
  • Salzburg: ÖVP/Grüne/NEOS
  • Steirmark: SPÖ/ÖVP
  • Tyrol: ÖVP/Grüne
  • Oberösterreich: ÖVP/FPÖ
  • Vorarlberg: ÖVP/Grüne
  • Wien: SPÖ/Grüne
Koalitionen von SPÖ und ÖVP werden auch Großkoalitionen genannt, welche Partei auch immer die Seniorenpartner ist.

Friday, January 18, 2019

Feldmarschall Von Kickl will wieder gegen Völkerrecht kämpfen

Österreichs Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) nimmt seinen Dschihad gegen das Völkerrecht wieder auf. (Regierung: Auf Konfrontationskurs beim Asylrecht Kurier 16.01.2019) Er will neue Möglichkeiten für Abschiebungvorgehen gegen Asylbewerber haben. Nach Kurier:
Kickl hat es „satt“, dass durch Menschenrechte und internationale Vereinbarungen Täter geschützt würden und nicht die österreichischen Staatsbürger, sagte er. Im Weg steht seinen Vorstellungen aber die Genfer Menschenrechtskonvention, die dazu passende Judikatur und die Status-Richtlinie der EU. Letztere versuchte Kickl zuletzt im Juni erfolglos zu ändern, wie er berichtete. Allerdings könnte ein Rechtsruck bei der nächsten EU-Wahl daran etwas ändern. Weil sich auf europäischer Ebene derzeit keine Mehrheit für eine Änderung dieser Richtlinie abzeichnet, will Kickl bei Aberkennung und Abschiebung ein „bissl kreativ“ sein.
Feldmarshall Von Kickls Angebot hat natürlich der österreichische Bundeskanzler Sebastian ("Milchgesicht") Kurz (ÖVP-türkis) unterstützt. „Manchmal braucht es Vorreiter, um einen Anstoß auf europäischer Ebene zu setzen," sagte er. Vize-Kanzler und Oberburschenschaftler Heinz-Christian Strache unterstutzt diese Politik auch, wie seine Facebook Posts 16.01 und 17.01 zeigen; ich zitiere seine giftige Propaganda hier nicht.

Offensichtlich ist die Regierung Kurz-Strache pro-europäisch. Oder besser gesagt, angeblich pro-europäisch. Sie benutzen Feindschaft gegen Immigranten, Flüchtlinge, und Asylbewerber - Türkis-Blau und andere europäische rechts-populistische Parteien nennen sie lieber „Migranten" - um nationalistische Positionen zu nehmen.

Die Regierung versucht immer, Ausländer als besonders kriminell darzustellen. Fakten sind nicht wichtig für Türkis-Blau in dieser Behauptung. Die Wirklichkeit ist anders. (Polizei-Analyse: "Flüchtlinge sind weniger kriminell" Kurier 18.01.2018)

Aber sie benutzen jetzt diese Angelegenheit (Kurier 16.01.2019):
Vier Frauen wurden in den vergangenen Tagen in Österreich ermordet. Einmal ist ein Asylwerber und einmal ein Asylberechtigter mutmaßlicher Täter – und ihre Opfer Österreicherinnen. Wegen dieser zwei Morde plant die Bundesregierung nun eine deutliche und „kreative“ Verschärfung des Vorgehens nach dem Asylrecht. So soll die Aberkennung des Asylstatus nicht erst bei schweren Verbrechen möglich werden.
Wie es in diesem FALTER Podcast zu hören ist, Frauenmord ist ein Problem in Österreich. Und letztlich sind es über-proportionell mehr ein Problem unter Nicht-Österreichern als unter österreichische Staatsbürger. Frauenmorde und ihre Hintergründe 18.01.2019:


Aber Frauenmord ist hauptsächlich ein Verbrechen, das innerhalb von Paaren verübt ist. Und das bedeutet normalerweise, dass einheimische Männern einheimische Frauen morden und ausländische Männern ausländische Frauen morden. Aber die zwei oben referenzierte Morde von österreichische Frauen von angebliche ausländische Männern entsprechen die Vorstellungen von türkis-blau Hass-Propaganda. (Vierter Frauenmord 2019: Aussprache unter Geschwistern skalierte Kurier 15.01.2019)

Noura Maan und Lara Hagen, Gewalt gegen Frauen: Regierung kündigt höhere Strafen für Wiederholungstäter an Standard 17.01.2019

Die gesetzlich besonders fragwürdige Idee von Feldmarschall Von Kickl und die FPÖVP Regierung ist, Abschiebung von Immigranten/Flüchtlingen/Asylbewerbern nach Länder in der es lebensgefährlich für sie würde. Kurier 16.01.2019:
Eine ähnliche Diskussion rund um Abschiebungen nach Syrien hatte es erst vor rund zwei Monaten in Deutschland gegeben. Doch selbst CSU-Hardliner und Innenminister Horst Seehofer sprach sich am Ende dagegen aus. Grund dafür war ein Lagebericht des Auswärtigen Amtes, wonach Männern zwischen 18 und 42 Jahren flächendeckend Gefängnis und Folter drohen. Dass Assad-Regime sieht alle Rückkehrer als Fahnenflüchtige, die mit Haft und anschließendem Armeedienst im Land „begrüßt“ werden.
Auch dazu: Jutta Berger and Irene Brickner, Syrien-Abschiebungen laut Völkerrechtler Nowak unwahrscheinlich Der Standard 18.1.2019)

Islamophobie ist eine stärkere Ideologie für Türkis-Blau. Sie kann als größes Alibi funktionieren. Zum Beispiel:
  • Muslimen sind antisemitisch; wir hassen die Muslimen; deshalb sind wir gegen Antisemitismus.
  • Muslimen sind frauenfeindlich; wir stigmatisieren muslimische Kopftücher; deshalb verteidigen wir Frauenrechten.
  • Muslimen sind patriarchalisch in Umgang mit Frauen; wir schimpfen gegen islamische Männer damit; deshalb sind wir nicht patriarchalisch und unterstützen keine toxische Männlichkeit.
  • Viele (alle?) Muslimen sind islamischer Extremisten; wir schreien immer gegen „politische Islam"; deshalb sind wir keine Extremisten.
  • Muslimen sind gefährlich; wir predigen immer Furcht gegen Muslimen; deshalb kämpfen wir für „Law and Order".
Aber Hauptsache in Islamphobie ist, Muslimen sind die Andere. „Wir" gute weiße christliche europäische Österreicher müssen sie furchten und hassen. Um die türkis-blaue Politik an Immigration und Asyl zu verstehen, muss man immer erinnern, wie zentral diese Islamphobie für das türkis-blau Projekt ist.

Sicher ist, dass Gewalt und Mord gegen Frauen ein ernst zu nehmendes Problem ist. Die partikuläre Zustände in Immigranten-Gesellschaften eingeschlossen. Siehe das Video-Diskussion oben. Aber ernst zu nehmen und verantwortlich zu handeln sollen auch heissen, das Problem realistisch zu verfassen. Aber es zu benutzen, Xenophobie und Furcht künstlich zu steigern, ist anders.

Aber zu viele türkis-blaue Politiker wollen lieber einfach gegen Ausländer und Rechtsstaat schimpfen. Z.B, Niederösterreichischer Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ), der gern gegen Asylanten profiliert, Landesrat Waldhäusl: Während Frauen abgeschlachtet werden, sorgt sich Volksanwaltschaft um Mängel bei Essenausgabe in Asylquartier APA 17.01.2019. Mehr über ihn: Neue Vorwürfe an FPÖ-Landesrat Waldhäusl News 07.12.2018; Causa Waldhäusl: Die NSA und die Kickback-Frage Addendum 06.12.2018.

Wednesday, October 31, 2018

Austrian government postures against immigrants and refugees. Again.

The Austrian government of Chancellor Sebastian "Babyface" Kurz (ÖVP, "türkis"/turquoise) and Vice Chancellor Heinz-Christian Strache (FPÖ, blau/blue) have specialized in posturing against immigrants with gratuitous symbolic stances and mean-spirited measures to make life more difficult for immigrants. What they have not done is seek real, substantive, and practical solutions to the larger immigration problem facing Austria and the rest of the EU, which also means no serious measures to prepare for a situation like that faced in 2015 with a large surge in refugee inflows.

KurzStrache took another anti-immigrant mo ve on Tuesday, which is symbolically and therefore diplomatically significant, but has no direct practical effect. They announced Austria's rejection of UN's New York Declaration for Refugees and Migrants, a broad statement on the rights of migrants with no binding effect. (Gianluca Wallische, Österreichs Ausstieg aus dem Uno-Migrationspakt: Entscheidung mit Anlauf Standard 31.10.2018; Austria says will not sign global migration pact Reuters 10/31/2018)

One can reasonably question whether such non-binding agreements amount to anything more than pious aspirational documents. But substantive agreements have to start somewhere. Austria joins the dubious company of Trump's America and Viktor Orbán's Hungary in rejecting the agreement. (Clark Mindock, US withdraws from United Nations agreement to establish international rights for migrants Independent 12/03/2017)

Reuters also notes that the authoritarian government of "Poland, which has also clashed with Brussels by resisting national quotas for asylum seekers, is considering the same step."

What's also notable about KurzStrache's action is that through the end of 2018, Austria's holds the rotating presidency of the European Council. So this is a deliberate gesture of contempt toward the EU on their part. And a reminder that they are not at all serious about a European solution of the refugee issue.

Here are the terrifying provisions of the agreement that so frighten the bold leaders of the Nationalist International (from UNHCR New York Declaration for Refugees and Migrants n.d., accessed 10/31/2018):
In adopting the New York Declaration, Member States:
  • expressed profound solidarity with those who are forced to flee;
  • reaffirmed their obligations to fully respect the human rights of refugees and migrants;
  • agreed that protecting refugees and supporting the countries that shelter them are shared international responsibilities and must be borne more equitably and predictably;
  • pledged robust support to those countries affected by large movements of refugees and migrants;
  • agreed upon the core elements of a Comprehensive Refugee Response Framework; and
  • agreed to work towards the adoption of a global compact on refugees and a global compact for safe, orderly and regular migration.

Tuesday, October 23, 2018

Austria's Sebastian Kurz, conservative star?

Newsweek International has a current cover story about Austria's baby-faced Chancellor Sebastian Kurz that's such a puff piece that it could have come from one of Kurz' PR flacks: Elizabeth Schumacher, Sebastian Kurz is Remaking Europe's Future From its Darkest Past Newsweek International 10/17/2018.

No, it's not "fake news" or "Lügenpresse". It's just good, old-fashioned sloppy and/or lazy reporting. The fact that the headline doesn't make sense is the least of its problems.

Kurz is the Chancellor of a parliamentary coalition government that's been in office for a year. His party is the Christian Democratic classically conservative party ÖVP. The junior partner is the far-right populist party FPÖ, headed by Vice Chancellor Heinz-Christian Strache. If there has been any major differences between the two governing parties the last year, it hasn't been readily apparent.

This article gets one thing right: KurzStrache have emphasized their hostility to immigrants What you can't tell from the article is that their anti-immigration policy is mainly fear-mongering, fantasy solutions, publicity stunts, and gratutious measures to punish refugees for existing.

One example: KurzStrache and their fans like to complain that immigrants aren't learning German quickly enough. So they cut funding for German classes for immigrants. That's how they roll. And if they have made new provisions for handling a high influx of regugees like in 2015, they are keeping that well concealed, too.

The article doesn't even mention two of the most dramatic incidents of the last year. There is a current parlimentary investigation into what known as the BVT affair. The BVT is Austria's internal security agency charged with thwarting terrorist plots and the like. KurzStrache's far-right Interior Minister's department staged a highly irregular raid in which they used a Vienna city police unit controlled by Strache's FPÖ (!!!) and took a large number of documents relating to security investigations. The Washington Post has reported that several other European intelligence agencies have significantly reduced their cooperation with the BVT because they don't trust them to keep sources and methods secret. The likely though unadmitted reason for the raid was to find out which people close to the FPÖ were being investigated and who was provided the BVT the information.

The other was the amazing show KurzStrache staged for Vladimir Putin. Strache's FPÖ entered into a formal, publicly acknowledged cooperation agreement with Putin's United Russia party in 2016. The Foreign Minister invited Putin to her wedding, along with Kurz and Strache, of course. Austria press was not allowed there, but Putin's state channel RT was. RT filmed a dance of the Foreign Minister with Putin, after which she literally bowed down on her knee before him. Kurz is well-known for his obsession with Message Control. No way that Kurz and Strache didn't stage this exactly the way they and their friend Vlad wanted it. Putin dances, speaks German at Austrian FM’s wedding RT 08/18/2018:


This is a surprise to see: "For the first time in 100 years, since the end of the Habsburg Empire — when Austria ruled much of Europe for close to 500 years - the country finds itself in a position of power." Austria's power consists of direct diplomatic influence in the Balkans and traditional business and financial ties in both western and eastern Europe. The reporter seems to be basing that on Kurz' current role of President of the EU's European Council. But that's a rotating six-month role that is more a diplomatic ritual than any real authority. That role can be used to help set the EU's political agenda. But KurzStrache has mainly used it to promote their own anti-immigration PR show. They did produce some empty discussions about fantasy pseudo-solutions like asylum centers in North Africa (ain't gonna happen).

To the extent the KurzStrache economic policies are being felt, they are along Herbert Hooverish lines: lower wages, more job insecurity, weaker unions, cuts in public services to ordinary people, etc.

See also: