Showing posts with label österreichische wahl 2019. Show all posts
Showing posts with label österreichische wahl 2019. Show all posts

Monday, September 30, 2019

Österreich hat gestern gewählt, und die politische Krise 2019 geht in eine neue Phase

In Österreich fand am Sonntag (gestern) ein nationales Wahlsonntag statt, um einen neuen Nationalrat zu wählen.

2019 war ein ungewöhnliches Jahr in der Geschichte der Zweiten Republik Österreichs (1945-heute). Die Regierung von Bundeskanzler Sebastian "Basti" Kurz ist erstmals in der Zweiten Republik durch ein Misstrauensvotum abgesetzt worden. Basti wurde im Dezember 2017 Kanzler an der Spitze einer Koalition aus der Mitte-Rechts-ÖVP und der rechtsextremen FPÖ, die 1955 von reuigen Ex-Nazis für reuige Ex-Nazis gegründet wurde und es nie geschafft hat, über ihre ideologischen Wurzeln hinauszukommen.

Hier sind die Ergebnisse (NR-Wahl 2019) im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Nationalratswahlen und den diesjährigen EU-Parlamentswahlen.


Basti zog es im Wahlkampf eindeutig vor, eine neue Koalition mit der FPÖ zu bilden, um ihre pro-oligarchische, einwanderungsfeindliche Politik von 2017-19 fortzusetzen. Der Auftritt der FPÖ am Sonntag hat dies deutlich unwahrscheinlicher gemacht. Mit ihren aktuellen Schwierigkeiten wird die FPÖ stark versucht sein, ihre Unterstützung aufzubauen, indem sie in der Opposition bleibt und ihr einziges wirkliches Thema an dieser Stelle verfolgt, Angst und Hass gegenüber Einwanderern, mit populistischen Haltungen, die von der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die sie tatsächlich unterstützen, verfälscht sind.

Die Grünen feierten ein dramatisches Comeback, nachdem sie 2017 die Parlamentsvertretung nicht gewonnen hatte, weil ihre Stimmen unter 4 % fielen. Das lag zum Teil daran, dass es eine abgespaltene Partei namens Jetzt gab, die Parlamentssitze erhielt. Doch die stimmenhabende Stimmen der Grünen von 8,2% im Jahr 2017 auf 16,2% im Jahr 2019.

Numerisch gibt es drei mögliche Koalitionsoptionen: eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition ("türkis-blau"); ÖVP-SPÖ ("türkis-rot"); ÖVP-Grüne ("türkis-grün"). Aber die tatsächliche Bildung einer neuen Regierung wird besonders schwierig sein. Die derzeitige Regierung ist eine "Expertenregierung" unter der Leitung von Österreichs erster Bundeskanzlerin Birgit Bierlein, die vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen als Staatsoberhaupt ernannt wird. Es ist wahrscheinlich noch zu früh, um darüber zu spekulieren, ob Bierleins Übergangsregierung länger im Amt sein wird als Bastis Regierung auf Ibiza. Es ist sicherlich ein mögliches Ergebnis.

Bastis ÖVP/FPÖ-Koalitionsregierung von 2017/19 war auch eine historische Regierung, in dem die eine der kürzesten Zeit im Amt seit Jahrzehnten hatte. Es wurde von einem Strom von Skandalen geplagt, von denen viele mit dem zu tun hatten, was ironischerweise als "Einzelfälle" bekannt wurde, bei denen Mitglieder der FPÖ entdeckt wurden oder sich als Anhänger einer radikalen Ideologie outen, die nicht mit einer demokratischen Regierung und Politik vereinbar ist. Als Beispiel: Oberösterreichs Landessenator Elmar Podgorschek (FPÖ):
Der oberösterreichische FPÖ-Landesrat Elmar Podgorschek ... hält [Juni 2018] bei der [deutschen] rechtsextremen AfD Thüringen eine Rede, in der er Ratschläge für die Machtübernahme gibt und die Institutionen der Demokratie massiv angreift. Als das öffentlich bekannt wird, sieht sich Podgorschek mit heftiger Kritik und Rücktrittsaufforderungen konfrontiert. (Mauthausen Komitee Österreich, Viele Einzelfälle = Ein Muster 02.08.2019)
In dieser Rede unterstützte Podgorschek die "orbanisierung" der Presse, einen Verweis auf die gegenwärtige autoritäre Regierung Ungarns und ihre Praxis, einen Großteil der ungarischen Medien unter die Kontrolle regierungsweiter Oligarchen zu bringen. Podgorschek wurde 2019 öffentlich und erfolgreich unter Druck gesetzt, wegen dieses Vorfalls von seinem Amt im Landtag zurückzutreten.

Ich war dieses Jahr überrascht, dass ein Skandal, den ich für den schwerwiegendsten hielt, bei der diesjährigen Nationalratswahl tatsächlich keine prominente Rolle spielte. Das war eine Aktion des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl im Jahr 2018, bekannt als die "BVT-Affäre", bei der er eine ungewöhnliche Polizeirazzia gegen das Sicherheitsbüro im eigenen Ministerium organisierte, eine Aktion, die dazu führte, dass einige europäische Nationen ihre Zusammenarbeit mit Österreichische Geheimdienste aus Angst, Österreich könne Quellen und Methoden nicht ausreichend schützen, begrenzt hatten.

Der Auslöser, der den Sturz von Bastis rechts-rechts-Regierung in Gang setzte, war das, was schnell als „Ibiza-Skandal“ bekannt wurde, der im Mai ausbrach. Deutsche und österreichische Reporter enthüllten ein Video, das zwei hochrangige Vertreter der FPÖ zeigte, darunter Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der einer Frau korrupte Geschäfte und illegale Pläne vorschlug, die sie für die Nichte eines russischen Oligarchen hielten. Der Meeting fand in eine Villa auf der beliebten Ferieninsel Ibiza statt. Das Video wurde 2017 vor der Wahl in diesem Jahr gedreht, als Strache noch Oppositionsführer war. (Beide wurden noch nicht wegen Rechtsverstößen im Zusammenhang mit dem Video verurteilt.) Frederick Obermaier und Bastian Obermayers Buch Die Ibiza-Affäre (2019) beschreibt das Ibiza-Treffen und die Aufdeckung des Skandals.

Dies veranlasste Kritiker von Bastis Regierung 2017-19, sie als "Ibiza-Regierung" und die FPÖ als "Ibiza-Partei" zu bezeichnen.

Auf den Zerfall von Bastis türkis-blauer Regierung folgte eine erbitterte Polemik zwischen ÖVP und FPÖ. Selbst wenn die FPÖ bei dieser Wahl nicht so wenig Stimmen gehabt hätte, wäre es eine echte Herausforderung gewesen, eine neue Ibiza-Koalition zu bilden.

Die wahlnächtliche gängige Meinung unter österreichischen Kommentatoren war, dass eine ÖVP-Grüne Koalition die plausibelste ist. Aber doch ist das keineswegs eine einfache Verhandlung. Basti hat deutlich gemacht, dass er die grundsätzlich harte rechte- und Einwanderung-feindliche-Politik seiner Ibiza-Regierung fortsetzen will. In seinen ersten Kommentaren nach der Wahl gegenüber dem ORF-Nationalnachrichtendienst äußerte sich Grünen-Parteichef Werner Kogler zurückhaltend zu einer Koalition und betonte, die Grünen wollten sich "radikal" von der Politik der Regierung auf Ibiza abändern. Bastis Klimapolitik ist ein schlechter Witz. Und er war als Kanzler eindeutig demagogisch anti-immigrantisch, auch im Wahlkampf 2019. Die Grünen waren klar die einwanderungsfreundlichsten der fünf Parteien des neuen Nationalrats. Die Grünen haben gerade ein großes Comeback erlebt. Und bei der diesjährigen EU-Wahl waren die Grünen die beliebteste Partei unter den österreichischen Wählern unter 30 Jahren. Basti wird ihnen ein sehr gutes Angebot machen müssen, um die Vorteile einer Regierungsbildung über die Risiken zu überwiegen, in einer konservativ geführten Regierung unter seiner Führung zu gehen.

Regierungskoalitionen aus ÖVP und SPÖ regierten Österreich während eines großen Teils der Existenz der Zweiten Republik. Aber das war in einer Parteiformation, die im Wesentlichen aus diesen beiden Parteien und der FPÖ bestand. Nun verkomplizieren Grüne und NEOS dieses Bild. Wie die Grünen wird auch die SPÖ ausrechnen müssen, ob die möglichen Vorteile eines Juniorpartners von Bastis ÖVP in der Regierung die mit hoher Wahrscheinlichkeit verbundenen politischen Verluste überwiegen würden. Das Beispiel Deutschland, wo ihre Schwesterpartei SPD hinter die Grünen zurückfällt, wird (und sollte!) in ihrer Betrachtung groß.

Basti hat 2017 eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten und in diesem Jahr eine mit der rechtsextremen Partei zu Fall gebracht. Er sieht also nicht gerade wie der ideale Koalitionspartner für irgendjemanden aus.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Wahl. Die Aura der "Wunderwuzzi", die Basti mit vielen Journalisten hatte, die es besser hätten wissen sollen, wurde durch diese Kampagne stark getrübt. Und die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schockierte die Presse nicht nur mit ihrem Wahlkampf, sondern schaffte es, das enttäuschende Ergebnis der SPÖ wie einen mitreißenden Aufruf zur Intensivierung des Kampfes klingen zu lassen. Das starke Grüne Votum im Vergleich zu 2017 war zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Wähler von der SPÖ zu den Grünen wechselten.

Sunday, September 8, 2019

Die Schwireigkeiten von Sebastian Kurz

Josef Votzi hat eine gute Kolumne über den aktuellen Stand von ÖVP-Kanzlerkandidat Sebastian Kurz für die österreichische Nationalratswahl am 29. September, drei Wochen nach heute, Kann Kurz Krise? [Nationalratswahl 2019] Trend 35:2019, accessed 08.09.2018.

Und für Basti, 2019 ist sicher nicht 2017:
2017 punktete Kurz mit der Botschaft, er habe die Flüchtlingsroute im Mittelmeer und am Balkan geschlossen.

2019 will er mit der Botschaft punkten: Lasst Kurz und sein Team arbeiten. Pferdefuß der türkisen Propaganda: Mit der blauen Hälfte seines Teams ist in den Augen von immer mehr Österreichern kein Staat zu machen. Eine Mehrheit sprach der FPÖ zuletzt in einer Umfrage die Regierungsfähigkeit ab. Auch Kurz' persönliche Glaubwürdigkeit hat im Schatten des Ibiza-Skandals gelitten. Sebastian Kurz steht in den kommenden Wochen also vor der größten Herausforderung seiner politischen Karriere: Kann der erfolgsverwöhnte Jungstar auch Krise? [meine Heraushebungen]
Auch sehr wichtig sind seine Schwierigkeiten mit der FPÖ:
... die Umfragen vier Wochen vor der Wahl lesen sich wie das Blatt für einen wochenlangen Koalitionspoker. ...

Ausgemachte Sache, es mit den Blauen noch einmal zu probieren, ist es aber auch für den türkisen Parteichef himself noch lange nicht. Die Zweifel, dass der zweite Anlauf mit den Blauen neuerlich krachend scheitern und damit auch Kurz selbst mit in den Abgrund ziehen könnte, wachsen. Denn das Bild, das Kurz und Strache vom Koalitionsalltag zeichneten, war schlicht, aber lange erfolgreich gelogen. Mit dem Nonstop-Honeymoon, den beide bis zuletzt vorspielten, war es schon nach wenigen Wochen vorbei.

Mit [Herbert] Kickl hatte Kurz vor der türkis-blauen Blitzehe null Kontakt, einen persönlichen Draht fand er auch in den 17 Monaten gemeinsamer Regierungsarbeit nicht. Im Gegenteil: Der blaue Innenminister, so der Befund in Kurz' türkisem Küchenkabinett, "war immer ein Störenfried", Kickl immer "auf Bestemm aus und ideologisch motiviert". [meine Heraushebungen]
Und natürlich gibt es noch immer neue FPÖ "Einzelfälle": Rosa Winkler-Hermade, Stenzels Rede bei den Identitären: Doppeltes Spiel der FPÖ Standard 08.09.2019;
Warum tut sich die FPÖ so schwer, sich zu distanzieren? Sie spielt ein doppeltes Spiel. Zum einen will sie sich sanft und unradikal positionieren: im Sinne der Menschen arbeitend, gegen die Bösen da oben. Aber das nimmt ihr keiner mehr ab. Ihre Verstrickungen mit der rechtsextremen Szene werden durch [Ursula] Stenzels Auftritt einmal mehr offenkundig. Viele in der Partei sehen die Teilnahme an Veranstaltungen wie jener der Identitären als völlig legitim an. [meine Heraushebungen]

Tuesday, September 3, 2019

Der heilige Basti im Wahlkampf und im ORF-Sommergespräch

Tobias Pötzelsberger beeindruckte mich in seinem ORF Sommergespräch mit dem "Neuen Volkspartei"-Kandidaten Sebastian Kurz. Er stellte meist gute Fragen, er war offensichtlich gut vorbereitet, und er machte einen guten Job, Basti auf seine ausweichenden Antworten zu drängen. (Video steht bis Sammstag 07.08.2019 zu Verfügung.)

Es war ein Kontrast zu seinem Auftritt in der Vorwoche mit SPÖ-Kanzlerkandidatin Pamela Rendi-Wagner. Pötzelsberger stellte ihr oberflächlichere Fragen und er scheint sie fast verachtend zu halten. Rendi-Wagner hat gute Arbeit geleistet, indem sie seine Fragen gekonnt parierte und ihre Wahlkampfbotschaften trotz ihm artikulierte. Meine Vermutung ist, dass er im ORF intern Kritik bekommen hat, weil er manchmal fast dilettantisch davongekommen ist.

Pamela Rendi-Wagner/SPÖ|Sommergespräche 2019 Austria TV 08/26/2019:


Ein neuer Bericht über Bastis Wahlkampf-Finanzierung 2017 und 2019 wurde auch Sonntag von dem Falter herausgegeben: Barbara Tóth et al, Die geheime Buchhaltung der Liste Kurz 02.09.2019. Basti war Soontag sehr defensiv darüber: Kurz sieht „System“ in Kritik an ÖVP ORF.at 03.09.2019.

ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer will Falter dafür anklangen, keine Überraschung. Aber: "Welche Punkte genau in dem Bericht falsch sind, teilt die ÖVP allerdings in der sehr breit gefassten Aussendung nicht mit." (ÖVP will "Falter" wegen Berichts über Wahlkampfkosten auf Unterlassung klagen Standard 03.09.2019)

Der heilige Basti, Tribun des österreichischen Volkes, hat wie üblich die Opfer gespielt (ORF): "Überhaupt sah sich der ÖVP-Chef vom politischen Gegner, aber auch von den Medien bisweilen unfair behandelt. Er habe 'mittlerweile das Gefühl, dass da System dahintersteckt'. Er 'kenne diese Methoden schon', sagte Kurz."

Armer Basti! Alle sind bös' zum jungen Retter Österreichs ...

Natascha Strobl, die Kurz' Rhetorik sehr gut analysiert, hat getweetet (Thread Reader 02.09.2019):
Wir sehen genau diese Strategie aber auch bei den Spenden, wenn er auf einmal nicht das Problem, sondern die Lösung ist und er die #Neos als Schutzschild bemüht. Niemand weiß ad hoc, ob die annähernd das selbe wollen. Aber Kurz tut so als ob und profitiert vom Image der Neos.

Nächste Strategie: Angriff Angriff Angriff. Und zwar auf alles u jeden u am Liebsten auf Sozialdemokratie. Gleich bei der ersten Frage, dann Foto v Kern u dann noch ein ziemlicher Tiefschlag in dem er behauptet Rendi-Wagner ist schon weg u er weiß nicht wer i Herbst Partei führt

Spannend ist, dass er diese Angriffe sogar auf den Moderator ausweitet: er unterstellt ihm, dass er behaupte Kurz sei korrupt. Damit hat er (erfolgreich) die Frage abgedreht, da Pötzelsberger nicht mehr nachfragt danach.
Alt-Kanzler Milchgesicht ist wirklich ein Raunzer! Warum findet es die Rechts-Konservativen so toll, immer so zu jammern?

Strobl hat auch rechts, wann sie schreibt, "Was noch auffällt: Kurz war ungewohnt pampig zwischendurch, mit höhnischem Grinsen und Unterbrechen des Moderators. So einen Contenance-Verlust sieht man selten, er passt auch nicht in die Inszenierung. Dafür hat er auch ungewohnt menschliche Antworten gegeben zb beim Handwerken."

Und sie hat auch wahrscheinlich hier auch rechts in Zusammenhang mit dem Falter Bericht:

Sunday, August 18, 2019

Der heilige Basti in 2019: noch ein Wunderwuzzi oder nur ein Politiker mit dubiöser Aussichten?

Der heilige Basti hat ein Problem. Er kandidiert in der NR-Wahl als Nationalist-Lite. D.h., Gegen „Migration“ und Ausländer, aber nicht so grob und unhöflich wie die FPÖler.

Aber wieder so zu regieren können, bracht er eine neue Auflage von seiner türkis-braunen Ibiza-Regierung. Aber die Burschenschafter-Partei Norbert Hofers und Herbert Kickls hat zurzeit heftige Probleme. Wie Hans Rauscher berichtet (Nun wird man sehen, was an Kurz wirklich dran ist Standard 17.08.2019):
In der Partei wird bereits davon geredet, dass Kickl beim Parteitag im Herbst den allzu Türkis-treuen Norbert Hofer kippen möchte. Das ist nicht unplausibel: der harte rechtsextreme burschenschaftliche Kern der Partei, aber auch die abgezogene Handgranate Kickl, die wollen gar nicht unbedingt regieren. Denn Regieren heißt Kompromisse machen. Sie wollen lieber ideologisch rein bleiben und von außen Krawall machen.
Hans-Henning Scharsach schrieb 2012, "In Österreich beträgt der Anteil der Burschenschaften nicht einmal 0.05 Prozent der Bevölkerung ..." (Strache: Im braunen Sumpf) So es bedeutet viel, dass die Burschenschafter mit ihrer oft-braunen Ideologie so stark in der FPÖ getreten sind.

Auch Walter Otto Oetsch bemerkt:


Basti hat die SPÖ-ÖVP Regierung gesprengt. Dann seine Ibiza-Regierung. Viel Vertrauen als Koalitions-Partner erweckt er nicht. Nicht bei den Blauen, nicht bei den Grünen, nicht bei den NEOS. Und Basti und die "neue Volkspartei" sind immer mehr sogar von dem Ibiza-Skandal betroffen. (Michael Völker, ÖVP auf der schiefen Bahn Standard 17.08.2019)

Er hat die Gelegenheit 2016-17 politisch sehr gut benutzt. Aber nach seinem fehlgeschagenen Basti-Bumsti Regierungs-Experiment findet er es jetzt viel schwieriger, den souverän-handelnden Erlöser und Volktribun Österreichs zu spielen.

Vor eine Woche stand in den Umfrage-Werten die Parteien so: ÖVP (35%), SPÖ (22%), FPÖ (20%), NEOS (10%), Grünen (10%). Die Partei Jetzt scheint in den Umfragen fast tot zu sein. (Conrad Seidl, Österreichs Wahlberechtigte verorten sich eher links der Mitte, wählen aber rechts Standard 11.08.2019)

Das bedeutet, dass Alt-Kanzler Kurz nur eigentlich zwei Möglichkeiten haben wird, eine Mehrheits-Regierung zu bilden: Ibiza-Koalition mit der FPÖ, oder türkis-grün-pink. Türkis-rot is rechnerisch möglich. Aber fast undenkbar mit dem heiligen Basti als ÖVP-Chef.

Und was denkt die Basti-Truppe mit dieser Äußerung? ÖVP nennt Verbot der Identitären als Koalitionsbedingung Wiener Zeitung 18.08.2019. Aber der nette Herr Kickl will viel lieber die NEOS verbieten als die Identitäre! Das offizielle politische Programm der NEOS stuft Kickl als staatsfeindlich ab. Ihr Programm handele sich um "einen tiefen, tiefen Angriff in unsere Rechtsstaatlichkeit," sagte er letzte Freitag.
Die ÖVP verstärkt nach dem Nein des geschäftsführenden FP-Klubobmanns Herbert Kickl zum Verbot der Identitären Bewegung ihre entsprechende Forderung. ÖVP-Klubchef August Wöginger erklärte am Sonntag, "dass das Verbot der Identitären in einer zukünftigen Regierung angegangen werden muss". Darüber hinaus tritt die ÖVP dafür ein, dass es wieder einen eigenen Extremismusbericht des BVT gibt. ...

Das Nein Kickls kritisierte er scharf: Dass "ausgerechnet Herbert Kickl nun zum obersten Schutzpatron der Identitären" werde, sei "besonders pikant". "Wir sagen klipp und klar, Extremismus, sei es der politische Islam oder Organisationen wie die Identitären haben in Österreich keinen Platz. Wir wollen nicht, dass das Vereinsrecht für derartige gefährliche Ideologien und Strömungen missbraucht wird", so Wöginger.
Aber die ÖVP ist noch Bastis Partei. So gleichzeitig mit der Aufforderung, die Identitären zu verbieten, wollen sie auch das Verbot über sogenannten "politischen Islam" verhängen. Die Letzte ist natürlich rein demagogisch.

Es ist schon möglich, dass der heilige Basti zielt hauptsächliche auf eine Minderheits-Regierung ab. Aber es scheint mir, dass es ein großes Risiko für die Möglichkeit einer neuen Ibiza-Koalition darstellt, gegen Kickl in dieser Frage so zu äußern. Aber wenn die Koaitions-Handlungen scheitern, wird es auch sehr schwer, partliamentarische Unterstutzung einer Minderheits-Regierung zu finden. Weil er braucht dafür entweder die SPÖ, oder die FPÖ, oder die Grunen und die NEOS.

Nina Horaschek und Barbara Toth in ihrer 2017 Biographie Sebastian Kurz: Osterreichs neues Wunderkind? haben geschrieben:
Kurz war in den vergangenen Monaten [206-17] Projektionsfläche für viele Wünsche und Hoffnungen. Er hat den diffusen »es muss sich etwas ändern«- und »so kann es nicht weitergehen «-Gefühlen in der Bevölkerung ein juveniles, nahezu geschlechtslos schönes Gesicht gegeben.

Kurz fasziniert, Kurz polarisiert, Kurz begeistert. Nur in einem sind sich Kritiker wie Anhänger einig: Die Erwartungen an ihn sind derart hoch, sie können gar nicht erfüllt werden.
2019 ist es anders. Weil sie öffentich rechts hatten: "die Erwartungen ... können gar nicht erfüllt werden." Und seine 2017-19 Ibiza-Regierung hat nicht einmal zwei Jahren gedauert.

Saturday, August 17, 2019

Will Herbert Kickl die Burschenschaften und seine eigene FPÖ gesetzlich verbieten?

Ehemaliger Innenmister and jetzige FPÖ Klubobmann Herbert Kickl hatte heute eine Pressekonferenz. Komplettaufzeichnung: Pressekonferenz mit Herbert Kickl in Tirol 16.08.2019:


Wie es in Kickls Pressekonferenzen üblich ist, was er grimmig und humorlos. Mir wirkt er fanatisch, aber ich bin sicher kein Kickl-Fan auf jeden Fall. Vage Reden über Verschworungen., „politischer Islam“, usw.. Und natürlich seien er und die FPÖ die armsten Opfer in Österreich.

Er hat die ÖVP heftig kritisiert. Das ist keine Überrachung, denn die FPÖ muss ihre Wähler im September behalten und sich Sorgen machen, Wähler an die ÖVP zu verlieren. Aber seine einzigen wirklichen Themen, die er während der Pressekonferenz neben wiederholter Kritik an der ÖVP betonte, waren die bösen Ausländer und die beängstigenden Muslime. Auch von Millionen Afrikaner!!!

Nach 34:00 in der Videoaufnahme, spricht er über die Identitären. „Bin ich kein Verteidiger der identitären Bewegung“. Aber er verteidigt sie mit Raunzen gegen, natürlich, die böse Muslimen. Oder minderst sagt er, das die Identitären besser sind als „Islamisten, dass hast [Deutsch: dass heißt] Kopfabschneider, die Selbstmordattentäter, die Massenvergewaltiger, die Sklavenhalter.“

Die Identitären, wie wir wissen, sind berühmt für ihre Versuchungen, Schiffe im Mittelmeer zu blockieren, die Flüchtlinge von Ertrinken zu retten.

Von der Folge könnte man meinen, er erwäge, seine eigene Partei und die radikalen Burschenshaften, die damit in Verbindung gebracht werden, zu verbieten.
Wenn’s um ein Verbot geht von extremistischen und staatfeindlichen Vereinigungen und Verbindungen, dann muss ma‘ mah‘ [Deutsch: muss man einmal] schauen, was bedeutet Extremismus und was bedeutet Staatsfeindlichkeit.

... da find ich Gewaltanwendung und Gewaltverherrlichung. Da finde ich eine Infiltration unsere Institutionen. Da finde ich eine Ablehnung unseres Gesellschafts- und Menschenbildes. Da finde ich eine Ablehnung alle demokratische und rechtstaatliche Prinzipien. Da finde eigentlich, so zu sagen, ein totalitäres Gesellschaftsmodell. Das ist das, was i‘ dort find‘.
Oh, warte mal, der erste Teil dieses zweiten Absatzes war, "Und ich finde bei den Islamisten ..."

Und es ist schrecklich, aber ich musste einfach lachen, wenn er sagt (nach 35:30):
Und i' bin morgen mah' ein bißl' [Deutsch: einmal ein bißchen] entsezt auch über die Vorgägngsweise, [unlkar: dass i' praktisch in Anfang  ??] gelesen, dass eine Spende des Christchurch Attentäters an den Herr Sellnere geben haben soll. Das ist foisch [Deutsch: falsch]. Das ist eine Spende des späteren Christchurch Attentäter an den Herr Sellner gegeben. Und das macht einen kleinen aber sehr, sehr feinen Unterschied aus. So viel, so zu sagen, Anständichkeit in die Berichterbestellung in der Darstellung der Dinge, glaub' i' soll man anfordern dürfen. [meine Hervorhebungen in Fettschrift]
Kickl deutet an, dass die Presse diese Geschichte so berichtet hatte, dass unklar war, ob der (bekennende) Christchurch-Moschee-Schütze Sellner die Spende nach dem Terroranschlag von Christchurch geschickt hatte. Wenn das der Fall war, erinnere ich mich an keine Beispiele. Dieser Bericht beispielsweise vom Mai macht sehr deutlich, dass die Spende im Januar oder etwas früher kam. (Fabian Schmid und Laurin Lorenz, Nach E-Mail-Kontakt mit Sellner buchte Christchurch-Attentäter Mietauto in Österreich Standard 14.05.2019.) Das Christchurch Moschee-Schießen war am 15.März 2019.

Aber die NEOS findet er staatsfeindlich! Ihr Programm handele sich um "einen tiefen, tiefen Angriff in unsere Rechtsstaatlichkeit" Ja, er sagt das, nach 36:40. Es ist frivol. Und er sagt implizit dazu, dass "die Antifa" dagegen protestieren sollen. (?!)

Kickl war 2017-19 Österreichs Innerminister, verantwortlich für die Bekämpfung von Terrorismus innerhalb Österreich.

Wednesday, August 14, 2019

Der heilige Basti macht Wahlkampf für neue Ibiza-Regierung in Österreich

Hans Rauscher hat eine hilfreiche Definition von Rechtsextremismus des heutigen Europas (Eine rechtsextreme Partei wie andere auch Standard 14.08.2019):
Die FPÖ [Freiheitliche Partei Österreichs] ist keine Partei "wie andere auch". Sie ist eine (großteils) rechtsextreme Partei wie andere rechtsextreme Parteien auch. In Europa gehört die FPÖ zur Lega, zum Rassemblement National (früher Front National), zur AfD usw. Rechtsextremismus lässt sich trotz aller schwimmenden Grenzen und regionalen Unterschiede definieren. Zusammenfassend: Rechtsextremismus geht vom Idealbild eines ethnisch reinen Volkskörpers aus, der den anderen überlegen ist.

Um politisch die Vorherrschaft zu erlangen, macht der Rechtsextremismus "Angstpolitik" und behauptet, die einzige Möglichkeit, die Gefahr zu bewältigen, sei eine autoritäre Politik des "starken Mannes". Dazu braucht er äußere und innere Feinde, meist die "liberalen Eliten". Verschwörungstheorien sind fixer Bestandteil rechtsextremen Denkens. [meine Hervorhebungen]
Aber nach der NR-Wahl in September wird es schwer für Basti, eine neue Ibiza-Regierung mit den Blauen zu machen. Aber es ist wahrscheinlich, dass er nur mit einer so neuen türkis-blauen Regierung wieder Kanzler werden kann.

Johannes Huber schreibt (Super-GAU für Kurz DieSubstanz 14.08.2019):
Natürlich will die Neue Volkspartei nichts mit der jüngsten Affäre zu tun haben. Also fordert sie eine „rasche Aufklärung über den angeblichen FPÖ-Novomatic-Deal“ und nicht auch des Postenschachers bei den Casinos Austria, der Teil der ganzen Geschichte ist [und könnte peilicher für die ÖVP wirken]. ...

Praktisch könnten Sebastian Kurz und Co. bei der Nationalratswahl jedoch trotz allem gewinnen. Zumindest zunächst: Bricht die FPÖ ein, profitieren sie davon (und nicht Mitte-Links-Parteien). Darüber steht jedoch ein viel schwerwiegenderer Verlust: Die Option „Schwarz-Blau“ nach der Wahl ist erledigt. ...

.... Anders ausgedrückt: Eine Fortsetzung von Schwarz-Blau wäre mit dem Risiko verbunden, andauernd von irgendwelchen Affären überlagert zu sein; „Message out of control“, sozusagen – und zwar permanent.
Aber trotzdem, wie Huber richtig sagt, "Sebastian Kurz bedient neben ÖVP- vor allem FPÖ-Anhänger."

Dem heiligen Basti wird es schwierig, in einer Koalition mit Grün oden Rot sich selbst als der Erlöser und Volkstribun Österreichs zu inszenieren. Und die Grünen und die Roten haben wenig Grund, Basti as Koalitions-Partner zu vertrauen.