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Monday, September 30, 2019

Österreich hat gestern gewählt, und die politische Krise 2019 geht in eine neue Phase

In Österreich fand am Sonntag (gestern) ein nationales Wahlsonntag statt, um einen neuen Nationalrat zu wählen.

2019 war ein ungewöhnliches Jahr in der Geschichte der Zweiten Republik Österreichs (1945-heute). Die Regierung von Bundeskanzler Sebastian "Basti" Kurz ist erstmals in der Zweiten Republik durch ein Misstrauensvotum abgesetzt worden. Basti wurde im Dezember 2017 Kanzler an der Spitze einer Koalition aus der Mitte-Rechts-ÖVP und der rechtsextremen FPÖ, die 1955 von reuigen Ex-Nazis für reuige Ex-Nazis gegründet wurde und es nie geschafft hat, über ihre ideologischen Wurzeln hinauszukommen.

Hier sind die Ergebnisse (NR-Wahl 2019) im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Nationalratswahlen und den diesjährigen EU-Parlamentswahlen.


Basti zog es im Wahlkampf eindeutig vor, eine neue Koalition mit der FPÖ zu bilden, um ihre pro-oligarchische, einwanderungsfeindliche Politik von 2017-19 fortzusetzen. Der Auftritt der FPÖ am Sonntag hat dies deutlich unwahrscheinlicher gemacht. Mit ihren aktuellen Schwierigkeiten wird die FPÖ stark versucht sein, ihre Unterstützung aufzubauen, indem sie in der Opposition bleibt und ihr einziges wirkliches Thema an dieser Stelle verfolgt, Angst und Hass gegenüber Einwanderern, mit populistischen Haltungen, die von der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die sie tatsächlich unterstützen, verfälscht sind.

Die Grünen feierten ein dramatisches Comeback, nachdem sie 2017 die Parlamentsvertretung nicht gewonnen hatte, weil ihre Stimmen unter 4 % fielen. Das lag zum Teil daran, dass es eine abgespaltene Partei namens Jetzt gab, die Parlamentssitze erhielt. Doch die stimmenhabende Stimmen der Grünen von 8,2% im Jahr 2017 auf 16,2% im Jahr 2019.

Numerisch gibt es drei mögliche Koalitionsoptionen: eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition ("türkis-blau"); ÖVP-SPÖ ("türkis-rot"); ÖVP-Grüne ("türkis-grün"). Aber die tatsächliche Bildung einer neuen Regierung wird besonders schwierig sein. Die derzeitige Regierung ist eine "Expertenregierung" unter der Leitung von Österreichs erster Bundeskanzlerin Birgit Bierlein, die vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen als Staatsoberhaupt ernannt wird. Es ist wahrscheinlich noch zu früh, um darüber zu spekulieren, ob Bierleins Übergangsregierung länger im Amt sein wird als Bastis Regierung auf Ibiza. Es ist sicherlich ein mögliches Ergebnis.

Bastis ÖVP/FPÖ-Koalitionsregierung von 2017/19 war auch eine historische Regierung, in dem die eine der kürzesten Zeit im Amt seit Jahrzehnten hatte. Es wurde von einem Strom von Skandalen geplagt, von denen viele mit dem zu tun hatten, was ironischerweise als "Einzelfälle" bekannt wurde, bei denen Mitglieder der FPÖ entdeckt wurden oder sich als Anhänger einer radikalen Ideologie outen, die nicht mit einer demokratischen Regierung und Politik vereinbar ist. Als Beispiel: Oberösterreichs Landessenator Elmar Podgorschek (FPÖ):
Der oberösterreichische FPÖ-Landesrat Elmar Podgorschek ... hält [Juni 2018] bei der [deutschen] rechtsextremen AfD Thüringen eine Rede, in der er Ratschläge für die Machtübernahme gibt und die Institutionen der Demokratie massiv angreift. Als das öffentlich bekannt wird, sieht sich Podgorschek mit heftiger Kritik und Rücktrittsaufforderungen konfrontiert. (Mauthausen Komitee Österreich, Viele Einzelfälle = Ein Muster 02.08.2019)
In dieser Rede unterstützte Podgorschek die "orbanisierung" der Presse, einen Verweis auf die gegenwärtige autoritäre Regierung Ungarns und ihre Praxis, einen Großteil der ungarischen Medien unter die Kontrolle regierungsweiter Oligarchen zu bringen. Podgorschek wurde 2019 öffentlich und erfolgreich unter Druck gesetzt, wegen dieses Vorfalls von seinem Amt im Landtag zurückzutreten.

Ich war dieses Jahr überrascht, dass ein Skandal, den ich für den schwerwiegendsten hielt, bei der diesjährigen Nationalratswahl tatsächlich keine prominente Rolle spielte. Das war eine Aktion des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl im Jahr 2018, bekannt als die "BVT-Affäre", bei der er eine ungewöhnliche Polizeirazzia gegen das Sicherheitsbüro im eigenen Ministerium organisierte, eine Aktion, die dazu führte, dass einige europäische Nationen ihre Zusammenarbeit mit Österreichische Geheimdienste aus Angst, Österreich könne Quellen und Methoden nicht ausreichend schützen, begrenzt hatten.

Der Auslöser, der den Sturz von Bastis rechts-rechts-Regierung in Gang setzte, war das, was schnell als „Ibiza-Skandal“ bekannt wurde, der im Mai ausbrach. Deutsche und österreichische Reporter enthüllten ein Video, das zwei hochrangige Vertreter der FPÖ zeigte, darunter Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der einer Frau korrupte Geschäfte und illegale Pläne vorschlug, die sie für die Nichte eines russischen Oligarchen hielten. Der Meeting fand in eine Villa auf der beliebten Ferieninsel Ibiza statt. Das Video wurde 2017 vor der Wahl in diesem Jahr gedreht, als Strache noch Oppositionsführer war. (Beide wurden noch nicht wegen Rechtsverstößen im Zusammenhang mit dem Video verurteilt.) Frederick Obermaier und Bastian Obermayers Buch Die Ibiza-Affäre (2019) beschreibt das Ibiza-Treffen und die Aufdeckung des Skandals.

Dies veranlasste Kritiker von Bastis Regierung 2017-19, sie als "Ibiza-Regierung" und die FPÖ als "Ibiza-Partei" zu bezeichnen.

Auf den Zerfall von Bastis türkis-blauer Regierung folgte eine erbitterte Polemik zwischen ÖVP und FPÖ. Selbst wenn die FPÖ bei dieser Wahl nicht so wenig Stimmen gehabt hätte, wäre es eine echte Herausforderung gewesen, eine neue Ibiza-Koalition zu bilden.

Die wahlnächtliche gängige Meinung unter österreichischen Kommentatoren war, dass eine ÖVP-Grüne Koalition die plausibelste ist. Aber doch ist das keineswegs eine einfache Verhandlung. Basti hat deutlich gemacht, dass er die grundsätzlich harte rechte- und Einwanderung-feindliche-Politik seiner Ibiza-Regierung fortsetzen will. In seinen ersten Kommentaren nach der Wahl gegenüber dem ORF-Nationalnachrichtendienst äußerte sich Grünen-Parteichef Werner Kogler zurückhaltend zu einer Koalition und betonte, die Grünen wollten sich "radikal" von der Politik der Regierung auf Ibiza abändern. Bastis Klimapolitik ist ein schlechter Witz. Und er war als Kanzler eindeutig demagogisch anti-immigrantisch, auch im Wahlkampf 2019. Die Grünen waren klar die einwanderungsfreundlichsten der fünf Parteien des neuen Nationalrats. Die Grünen haben gerade ein großes Comeback erlebt. Und bei der diesjährigen EU-Wahl waren die Grünen die beliebteste Partei unter den österreichischen Wählern unter 30 Jahren. Basti wird ihnen ein sehr gutes Angebot machen müssen, um die Vorteile einer Regierungsbildung über die Risiken zu überwiegen, in einer konservativ geführten Regierung unter seiner Führung zu gehen.

Regierungskoalitionen aus ÖVP und SPÖ regierten Österreich während eines großen Teils der Existenz der Zweiten Republik. Aber das war in einer Parteiformation, die im Wesentlichen aus diesen beiden Parteien und der FPÖ bestand. Nun verkomplizieren Grüne und NEOS dieses Bild. Wie die Grünen wird auch die SPÖ ausrechnen müssen, ob die möglichen Vorteile eines Juniorpartners von Bastis ÖVP in der Regierung die mit hoher Wahrscheinlichkeit verbundenen politischen Verluste überwiegen würden. Das Beispiel Deutschland, wo ihre Schwesterpartei SPD hinter die Grünen zurückfällt, wird (und sollte!) in ihrer Betrachtung groß.

Basti hat 2017 eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten und in diesem Jahr eine mit der rechtsextremen Partei zu Fall gebracht. Er sieht also nicht gerade wie der ideale Koalitionspartner für irgendjemanden aus.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Wahl. Die Aura der "Wunderwuzzi", die Basti mit vielen Journalisten hatte, die es besser hätten wissen sollen, wurde durch diese Kampagne stark getrübt. Und die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schockierte die Presse nicht nur mit ihrem Wahlkampf, sondern schaffte es, das enttäuschende Ergebnis der SPÖ wie einen mitreißenden Aufruf zur Intensivierung des Kampfes klingen zu lassen. Das starke Grüne Votum im Vergleich zu 2017 war zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Wähler von der SPÖ zu den Grünen wechselten.

Austrian election yesterday, and the 2019 political crisis enters a new stage

Austria held a national election Sunday to elect a new Nationalrat (Parliament).

2019 was an unusual year in the history of Austria's Second Republic (1945-today). The government of Chancellor Sebastian "Basti" Kurz was removed by a no-confidence vote for the first time in the Second Republic. Basti became Chancellor in December 2017 at the head of a coalition of his middle-right Austrian People's Party (ÖVP) and the far-right FPÖ, founded in 1955 by unrepentant ex-Nazis for unrepentant ex-Nazis, and which has never managed to get beyond its ideological roots.

Here are the results (NR-Wahl 2019) compared with the two previous Nationalrat elections and this year's EU parliamentary elections.


Basti during the campaign clearly preferred to form a new coalition with the FPÖ to continue their pro-oligarch, anti-immigrant policies of 2017-19. The FPÖ's performance Sunday has made this look considerably less likely. With their current troubles, the FPÖ will be strongly tempted to build their support by staying in the opposition and pursuing their only real issue at this point, fear and hatred of immigrants, with populist posturing belied by the economic and social policies they actually support.

The Green Party staged a dramatic comeback after failing to win parliamentary representation in 2017, because their vote fell under 4%. That was partly because there was a split-off party called Jetzt that did get parliamentary seats. But the combined Green-Jetzt vote increased from 8.2% in 2017 to 16.2% in 2019.

Numerically, there are three possible coalition options: a new edition of the ÖVP-FPÖ coalition ("turquoise-blue" from the party colors); ÖVP-SPÖ ("turquoise-red"); ÖVP-Greens ("turquoise-red green"). But the actual formation of a new government will be particularly difficult. The current government is an "expert government" headed by Austria's first female Chancellor, Birgit Bierlein, appointed by Austrian President Alexander Van Der Bellen acting as head of state. It's probably too soon to speculate whether Bierlein's interim government will serve in office longer than Basti's Ibiza government. It's certainly a possible outcome.

Basti's ÖVP/FPÖ coalition government of 2017-19 was also a historic government in being one of the shortest in decades. It was plagued by a stream of scandals, many of them having to do with what became ironically known as "isolated incidents" involving members of the FPÖ being discovered or outing themselves as adherents of a radical ideology not compatible with democratic government and politics. As just one example, Upper Austrian state senator Elmar Podgorschek (FPÖ):
The Upper Austrian FPÖ state senator Elmar Podgorschek ... gives a speech [June 2018] to the [German] far-right AfD Thuringia in which he gives advice on how to take power and massively attacks the institutions of democracy. When this becomes public, Podgorschek faces fierce criticism and calls for his resignation. (Mauthausen Komitee Österreich, Viele Einzelfälle = Ein Muster 02.08.2019; my translation)
In that speech, Podgorschek endorsed the "Orbanization" of the press, a reference to the current authoritarian government of Hungary and its practice of bringing a much of the Hungarian media under the control of pro-government oligarchs. Podgorschek in 2019 was publicly pressured to step down from his state senate (Landesrat) position, in no small part because of this incident.

I was surprised this year that one scandal that I considered actually the most serious actually did not play a prominent role in this year's Nationalrat election. That was an action by the FPÖ Interior Minister Herbert Kickl in 2018 known as the "BVT affair," in which he organized an unusual police raid on the security bureau in his own ministry, an action which led to some European nations to cut back their cooperation with Austrian intelligence because of fears that Austria couldn't adequately protect sources and methods.

The trigger that set in rapid motion the ousting of Basti's right/far-right government was what quickly became known as the Ibiza Scandal that broke in May. German and Austrian investigative reporters revealed a video which showed two senior figures in the FPÖ, including Vice Chancellor Heinz-Christian Strache, proposing corrupt deals and illegal schemes to a woman they thought was the niece of a Russian oligarch in a villa on the popular vacation island of Ibiza. The video was shot in 2017 before that year's election, when Strache was still an opposition leader. (Neither has been convicted of any violations of law in connection with the video as of this writing.) Frederick Obermaier and Bastian Obermayer's book Die Ibiza-Affäre (2019) describes the Ibiza meeting and the unfolding of the scandal.

This led critics of Basti's 2017-19 government to refer to it as the "Ibiza government" and the FPÖ as the "Ibiza party."

The falling apart of Basti's turquoise-blue government was followed by some bitter polemics between the ÖVP and the FPÖ. Even if the FPÖ hadn't had such a low vote in this election, it would have been a real challenge to put together a new Ibiza coalition.

The election-night conventional wisdom among Austrian commentators was that an ÖVP-Green coalition is the most plausible. But that is by no means an easy negotiation either. Basti has made it clear he wants to continue with the basically hard right and anti-immigrant policies of his Ibiza government. In his first post-election comments to the ORF national news service, Green Party leader Werner Kogler was cautious about a coalition, emphasizing that the Greens wanted to "change radically" (radical ändern) from the Ibiza government's policies. Basti's climate policies are a bad joke. And he has been distinctly, demagogically anti-immigrant, including in the 2019 election campaign. The Greens have been the easily the most pro-immigrant of the five parties of the new Nationalrat. The Greens have just staged a big comeback. And in the EU election this year, the Greens were the most popular party among Austrian voters under 30. Basti will have to offer them a very good deal to make the advantages of being in government outweigh the risks of being in a conservative-leaning government headed by him

A government coalition of the ÖVP and SPÖ has governed Austria for a large part of the Second Republic's existence. But that was in a party formation that essentially consisted of those two parties and the FPÖ. Now the Greens and NEOS complicate that picture. Like the Greens, the SPÖ will have to calculate whether the possible benefits of being a junior partner to Basti's ÖVP in the government would outweigh the highly likely political losses it would entail. The example of Germany, where their sister party, the SPD, is falling behind the Greens, will (and should!) loom large in their consideration.

Basti brought down a coalition government with the Social Democrats in 2017 and one with the far-right party this year. So he doesn't exactly look like the ideal coalition partner for anybody.

Another important result of the election. The "Wunderwuzzi" (whiz-kid) aura that Basti had with a lot of journalists who should have known better was severely tarnished by this campaign. And the new SPÖ leader Pamela Rendi-Wagner not only shocked the press with how well she campaigned but managed to make her acknowledgement of the SPÖ's disappointing result sound like a rousing call for intensifying the fight. The strong Green vote compared to 2017 was due in large part to voters switching from the SPÖ to the Greens.

Tuesday, September 3, 2019

Der heilige Basti im Wahlkampf und im ORF-Sommergespräch

Tobias Pötzelsberger beeindruckte mich in seinem ORF Sommergespräch mit dem "Neuen Volkspartei"-Kandidaten Sebastian Kurz. Er stellte meist gute Fragen, er war offensichtlich gut vorbereitet, und er machte einen guten Job, Basti auf seine ausweichenden Antworten zu drängen. (Video steht bis Sammstag 07.08.2019 zu Verfügung.)

Es war ein Kontrast zu seinem Auftritt in der Vorwoche mit SPÖ-Kanzlerkandidatin Pamela Rendi-Wagner. Pötzelsberger stellte ihr oberflächlichere Fragen und er scheint sie fast verachtend zu halten. Rendi-Wagner hat gute Arbeit geleistet, indem sie seine Fragen gekonnt parierte und ihre Wahlkampfbotschaften trotz ihm artikulierte. Meine Vermutung ist, dass er im ORF intern Kritik bekommen hat, weil er manchmal fast dilettantisch davongekommen ist.

Pamela Rendi-Wagner/SPÖ|Sommergespräche 2019 Austria TV 08/26/2019:


Ein neuer Bericht über Bastis Wahlkampf-Finanzierung 2017 und 2019 wurde auch Sonntag von dem Falter herausgegeben: Barbara Tóth et al, Die geheime Buchhaltung der Liste Kurz 02.09.2019. Basti war Soontag sehr defensiv darüber: Kurz sieht „System“ in Kritik an ÖVP ORF.at 03.09.2019.

ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer will Falter dafür anklangen, keine Überraschung. Aber: "Welche Punkte genau in dem Bericht falsch sind, teilt die ÖVP allerdings in der sehr breit gefassten Aussendung nicht mit." (ÖVP will "Falter" wegen Berichts über Wahlkampfkosten auf Unterlassung klagen Standard 03.09.2019)

Der heilige Basti, Tribun des österreichischen Volkes, hat wie üblich die Opfer gespielt (ORF): "Überhaupt sah sich der ÖVP-Chef vom politischen Gegner, aber auch von den Medien bisweilen unfair behandelt. Er habe 'mittlerweile das Gefühl, dass da System dahintersteckt'. Er 'kenne diese Methoden schon', sagte Kurz."

Armer Basti! Alle sind bös' zum jungen Retter Österreichs ...

Natascha Strobl, die Kurz' Rhetorik sehr gut analysiert, hat getweetet (Thread Reader 02.09.2019):
Wir sehen genau diese Strategie aber auch bei den Spenden, wenn er auf einmal nicht das Problem, sondern die Lösung ist und er die #Neos als Schutzschild bemüht. Niemand weiß ad hoc, ob die annähernd das selbe wollen. Aber Kurz tut so als ob und profitiert vom Image der Neos.

Nächste Strategie: Angriff Angriff Angriff. Und zwar auf alles u jeden u am Liebsten auf Sozialdemokratie. Gleich bei der ersten Frage, dann Foto v Kern u dann noch ein ziemlicher Tiefschlag in dem er behauptet Rendi-Wagner ist schon weg u er weiß nicht wer i Herbst Partei führt

Spannend ist, dass er diese Angriffe sogar auf den Moderator ausweitet: er unterstellt ihm, dass er behaupte Kurz sei korrupt. Damit hat er (erfolgreich) die Frage abgedreht, da Pötzelsberger nicht mehr nachfragt danach.
Alt-Kanzler Milchgesicht ist wirklich ein Raunzer! Warum findet es die Rechts-Konservativen so toll, immer so zu jammern?

Strobl hat auch rechts, wann sie schreibt, "Was noch auffällt: Kurz war ungewohnt pampig zwischendurch, mit höhnischem Grinsen und Unterbrechen des Moderators. So einen Contenance-Verlust sieht man selten, er passt auch nicht in die Inszenierung. Dafür hat er auch ungewohnt menschliche Antworten gegeben zb beim Handwerken."

Und sie hat auch wahrscheinlich hier auch rechts in Zusammenhang mit dem Falter Bericht:

Tuesday, July 16, 2019

SPÖ macht Wahlkampf gegen eine neue Iziza-Regierung

SPÖ Wahlkampfmanager Christian Deutsch freut sich über eine neue IFES-Umfrage (NR-Wahl: SPÖ steigt bei Umfragen Vienna.at 11.07.2019):
Von der ÖVP, die in der Anfang Juli durchgeführten Parteiumfrage mit 1.200er-Sample mit (höchstens) 37 Prozent klar vorne liegt, ist die SPÖ zwar weiter meilenweit entfernt. Doch "entscheidend ist, geht es rauf oder runter", verkündete Deutsch, und andere Umfragen hätten die ÖVP zuletzt bei 38 Prozent gesehen. Die Schwankungsbreite der Umfrage liegt allerdings bei 1,5 bis 2 Prozent.

Die FPÖ kommt bei IFES derzeit auf 19 Prozent, die Grünen auf 11, die NEOS auf 8 und JETZT (ehemals Pilz) auf 1 Prozent. Bei der Nationalratswahl 2017 lautete das Ergebnis ÖVP 31,5, SPÖ 26,9, FPÖ 26,0, NEOS 5,3, Liste Pilz 4,4 und Grüne 3,8. [meine Hervorhebungen]
Mir einer Schwankungsbreite von 2%, ist Deutsch natürlich optimistisch. Das ist sein Job als Wahlkampfmanager.

Aber er hat rechts wenn er sagt, die SPÖ hat momentan einige Stärke:
Deutsch sprach von einer veränderten Stimmung in der Bevölkerung, angesichts der jüngsten Beschlüsse im Nationalrat und der Zufriedenheit mit der Übergangsregierung. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner komme im persönlichen Gespräch bei den Menschen gut an, und diese Stärke wolle man bei einer Österreichtour noch stärker zum Tragen bringen. "Es ist der Beginn einer Aufholjagd, die wir damit einleiten." Bei der Wahl erster zu werden, sei möglich, denn Stimmungen änderten sich schnell, meinte er. [meine Hervorhebungen]
Ersten Platz zu erreichen ist doch sehr unwahrscheinlich. Und Parolen wie "Mut für Österreich. Gut für Österreich." oder "Nach Vorn. Für Österreich." sind vage und leider einfach unbedeutend.


Sie sollen aggressiver Parolen probieren, z.B., "Keine neue Ibiza-Regiereung!"

Viele in der österreichischen Presse waren mit Sankt Basti's Message Control sehr begeistert und hielten ihn für einen Super-Wahlkampfer. Aber 2017 hatte Basti den Vorteil, das die ÖVP und FPÖ eigentlich als zukünftige Koalition-Partner gegen Flüchtlinge und MuslimInnen kandidiert könne. 2019 must die FPÖ sich stärker als anti-System Partei profilieren. And the FPÖ Leiter sind auch einfach sauer auf Basti weil er Herbert Kickl als Innenminister nicht weiter akzeptieren wurde.

Rendi-Wagner ist nicht sehr erfahren als Wahlkämpferin. Aber sie ist die erste weiblich Spitzenkandidatin der SPÖ and sie hat sicher Stärke in der Amtsenthebung von Basti und seiner ganzen Regierugn gezeigt.

Friday, June 7, 2019

Österreichische Nationalwahlen im September: Wie die Parteien stehen

Die Neuwahlen in Österreich werden voraussichtlich am 29. September stattfinden. Nach dem dramatischen, historischen Misstrauensvotum, das die ÖVP/FPÖ-Regierung unter der Führung von Bundeskanzler Sebastian Kurz ablöschte, verspricht es eine faszinierende Wahl zu werden.

Meinungsforscher Peter Hajek hat einen aktuellen Bericht über die Aussichten der Parteien, profil-Umfrage: FPÖ überholt SPÖ, ÖVP bei 37% profil online 07.06.2019:


Profil berichtet auch die Zahlen: Michael Völker, Parteichefin Rendi-Wagner gerät in SPÖ zunehmend unter Druck Standard 04.06.2019. Here's how things currently stand according to Hajek's data:
  • OVP (Österreichische Volkspartei, christ-demokratisch): 37%
  • SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs): 20%
  • FPO: (Freiheitliche Partei Österreichs): 21%
  • NEOS: Reformistische Liberalen, mit ganz gewöhnlich neoliberal, markt-fundamentalistische ökonomische Politik): 10%
  • Grüne: 10%
  • Jetzt (Splitterpartei von den Grünen): 1%
Hier sind meine Perspektiven auf die Positionen der Parteien:

Die ÖVP hat in den Umfragen einen klaren Vorsprung und kommen sehr wahrscheinlich auf den ersten Platz. Aber Milchgesicht "Basti" Kurz ist immer noch das Gesicht seiner Partei, und er hat sich sehr offensichtlich als inkompetent erwiesen, wenn er eine Regierung führt. Er positioniert sich auch klar für eine neue Version der "schwarz-blauen" (ÖVP/FPÖ) Regierungskoalition, nachdem sein bisheriger gerade erst nach knapp zwei Jahren im Amt spektakulär auseinandergefallen war. Das wird im Wahlkampf nicht gut abnehmen. Aber er scheint einen großen Teil des österreichischen Presse und Kommentariats als ausgezeichneter Politiker mächtig beeindruckt zu haben. So ist er wahrscheinlich, dass eine günstigere Pressebehandlung zu bekommen wird, als er verdient.

Die Übergangsregierung dürfte sich wahrscheinlich auf eine kompetente Verwaltung, freundschaftliche Beziehungen zur Presse und die Vermeidung von sehr kontroversen Initiativen konzentrieren. Ein Sommer mit einer Regierung mit geringem Drama, die nicht tagtäglich "Einzelfälle" hat, dürfte den Reiz einer neuen Kurz-Drama-Queen-Regierung schmälern.

Die SPÖ ist in den Umfragen relativ schwach. Doch die Verachtung und wegwerfende Haltung, die selbst die Qualitätspresse für die SPÖ und ihre Kanzlerkandidatin Pamela Rendi-Wagner zeigt. Die Berichterstattung nimmt leider allmählich eine "Whitewater"-Ebene von schlampigen und sogar feindseligen Kommentaren an. Wenn sich die SPÖ ohne allzu banale Parolen auf ein paar ansprechende Themen konzentrieren kann, und die Angriffe von Rendi-Wagner auf Babyface als inkompetenter, gescheiterter Bundeskanzler fortsetzen, würde ich erwarten, dass sie bemerkenswerte Gewinne erzielen. Zwei Vorschläge: Versuchen Sie, dasa Wort "Stabilität" zu vermeiden-Änderung zum Besseren ist gebraucht; und, "work the refs" härter, indem sie über die Presses "unverhohlene Bevorzugung" in Richtung Kurz klagen.

Die Grüne/Jetzt Spaltung ist ein Problem. Ich wurde es lieben, jemanden wie Rudi Anschober zu sehen, der seine Fähigkeit konstruktiv zu handeln unter Beweis gestellt hat, an der Spitze der Liste. Die faule Presseannahme ist, dass ein höheres Votum für die Greens/Jetzt von SPÖ-Wählern kommen würde. Aber wenn sie sich darauf einigen, eine liberale Einwanderungspolitik gegen den Kurz-Strache-Kickl-Ansatz zu verteidigen, könnten sie mehr ÖVP-Wähler ziehen. Der deutsche Trend des Augenblicks, in dem die Sozialdemokraten wirklich an den Kollaps grenzen und die Grünen tatsäächlich zur wichtigsten Mitte-Links-Partei werden könnten, kann für Österreich nicht angenommen werden.

Die FPÖ wird über Ausländer nörgeln< und auch darüber jammern, wie die "System-Parteien" sie unterdrucken. Es ist alles, was sie haben. Aber es gibt einen Kernwählerschaft von 17-20%, die bei ihnen bleiben wird, Ibiza hin und Ibiza her. Ihr Zorn gegenüber Kurz könnte sein Image in einer Weise tarnen, die SPÖ und Grüne hofieren würden. Und die "Einzelfälle" werden immer wieder kommen.

Die NEOS haben einige fähige Sprecher. Ihre Auftritt für saubere Wahlen ist anziehend. Die SPÖ und die Grünen sollten immer wieder versuchen, dieses Thema von der NEOS zu stehlen. Aber die NEOS haben auch eine traditionell liberale (großfirmen-freundliche, konservative, pro-oligarchische) Wirtschaftspolitik, die weitgehend mit der von ÖVP und FPÖ übereinstimmt, allerdings ohne die populistische Wendung.

Austrian national elections in September: how the parties stand

The new parliamentary elections in Austria will probably take place September 29. After the dramatic, historic no-confidence vote that removed the ÖVP/FPÖ government headed by Chancellor Sebastian Kurz, it promises to be a fascinating election.

Public opinion analyst Peter Hajek has a current report on the parties' prospects, profil-Umfrage: FPÖ überholt SPÖ, ÖVP bei 37% profil online 07.06.2019:


Profil also reports the figures: Michael Völker, Parteichefin Rendi-Wagner gerät in SPÖ zunehmend unter Druck Standard 04.06.2019. So sieht es derzeit nach Hajeks Angaben aus:
  • OVP (Österreichische Volkspartei, christ-demokratisch): 37%
  • SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs, social-democratic): 20%
  • FPO: (Freiheitliche Partei Österreichs, far-right populist): 21%
  • NEOS: (good-government liberals, with standard neoliberal, "free-market oriented economics): 10%
  • Grüne (Greens): 10%
  • Jetzt (splinter party from the Greens): 1%
Here are my perspectives as of now on the parties' positions:

The ÖVP has a clear lead in the polls and are very likely to come in first. But babyfaced "Basti" Kurz is still the face of his party, and he has very visibly proved himself incompetent at running a government. He also is clearly positioning himself for a new round of "black-blue" (ÖVP/FPÖ) coalition government after his previous one just spectacularly fell apart after less than two years in office. This will not wear well in the campaign. But he seems to have mightily impressed a large part of the Austrian press and commentariat as a brilliant politician. So he's likely to get more favorable press treatment than he deserves.

The interim government of experts is likely is likely to concentrate on competent administration, friendly relations with the press, and avoiding any very controversial initiatives. A summer with a government of low drama that doesn't have daily "isolated incidents" is likely to diminish the allure of a new Kurz drama-queen government.

The SPÖ is relatively weak in the polls. But the contempt and dismissiveness even the "quality" press displays for the SPÖ and its Chancellor candidate Pamela Rendi-Wagner. The coverage is unfortunately starting to take on a "Whitewater" level of sloppy and even hostile commentary. If the SPÖ can focus on a couple of appealing themes without too-trite slogans and continue Rendi-Wagner's attacks on Babyface as an incompetent, failed Chancellor, I would expect them to make notable gains. Two suggestions: try to avoid the word "stability" - the pitch should be change for the better; and, "work the refs" harder by complaining about the media's "blatant favoritism" toward Kurz.

The Green/Jetzt split is a problem. IÄd love to see someone like Rudi Anschober who has proven his ability to lead constructively at the head of the ticket. The lazy press assumption is that a higher vote for the Greens/Jetzt would come from SPÖ voters. But if they concentate on defending a liberal immigration policy against the Kuz-Strache-Kickl approach they could pull more ÖVP voters. The German trend of the moment in which the Social Democrats are really verging on collapse and the Greens could really become the main center-left party can't be assumed for Austria.

The FPÖ will bitch about foreigner and whine about how the "System Parties" are picking on them. It's all they've got. But the have a core 17-20& who will stick with them, Ibiza some and Ibiza go. Their resentment toward Kurz could tarnish his image in a way that would hoelp the SPÖ and the Greens. And the "isolated incidents" will keep coming.

The NEOS have some capable spokespeople. Their clean-elections advocacy resonates and the SPÖ and the Greens should keep trying to steal them from the NEOS. But they have a traditional liberal (pro-corporate, conservative, pro-oligarch) economic policy that is in broad agreement with the ÖVP and FPÖ without the mildy populist twist.

Monday, May 27, 2019

Österreich: EU-Wahlen und Sturz einem Kanzler

Österreich hat am Sonntag seine EU-Parlaments-Wahlen abgehalten, wobei die christ-demokratische ÖVP die beste Parteileistung abgab. Die Ergebnisse wurden zunächst als Enttäuschung für die drittstelle FPÖ und als Rückschlag für die rechtsextreme FPÖ gemeldet.

Dann stimmte am Montag der Nationalrat dafür, Sebastian Kurz zum ersten österreichischen Bundeskanzler in der österreichischen Zweiten Republik zu machen, der durch ein parlamentarisches Misstrauensvotum aus dem entfernt wird. Sie werden im Amt bleiben, bis der Präsident die Aufzeichnungen der Nationalratsitzung formell annimmt und die Regierung formell abschafft.

Wenn man die Zahl der Sitze, die die Parteien bei der EU-Wahl errungen haben, mit ihren bisherigen vergleicht, dann ist das Ergebnis, dass die ÖVP einen Sitz von den Grünen und einen von der FPÖ geholt hat. Angesichts der besonderen Umstände sehe ich nicht, wie das ein großer Verlust für die SPÖ ist. Der bisherige SPÖ-Kanzler Christian Kern war ziemlich neu in einer explizit politischen Rolle, als er Kanzler wurde. Und er hatte während seiner Kanzlerschaft das Pech, mit Den Nachwirkungen der Flüchtlingskrise 2015/16 fertig werden zu müssen. Und wurde nicht dabei als gut wahrgenommen. Sein Außenminister Sebastian Kurz nutzte die Gelegenheit, um die SPÖ-ÖVP-Große Koalition zu stürzen und katapultiert sich in den Kanzleramt im Alter von 31 Jahren auf ein einwanderungsfeindlicher Thematik und mit der FPÖ als Koalitionspartner.

Die letzten anderthalb Jahre haben gezeigt, wie schlecht Kanzler Milchgesicht für die Kanzlerschaft vorbereitet war, und einmal mehr bewiesen, was für ein miserables Desaster die FPÖ ist.

2018 schien Christian Kern in seine Rolle als Oppositionsführer als SPÖ-Chef aufzuwachsen. Doch er entschloss sich unerwartet, 2018 zurückzutreten und Pamela Rendi-Wagner übernahm als Parteichefin die erste weibliche Parteivorsitzende in der Geschichte der SPÖ. Sie war auch relativ unerfahren im politischen Amt. Sie scheint doch in den letzten anderthalb Wochen während der Regierungskrise, dessen Ursache der verblüffende Versagen im Kanzleramt war, den Fokus auf Kurz‘ Verantwortung zu behalten und seinen Versuch, sich als gesegnet mit einem Zweite politische Unbefleckte Empfängnis darzustellen. Weil er wirklich ein äußerst opportunistischer fremdenfeindlicher Politiker ist, der sich nur für die Demokratie und ein wackeliges Bekenntnis zur Europäischen Union einsetzt.

Die österreichische Qualitätspresse in Print und Fernsehen ist nicht annähernd so weit kriecherisch vor oligarchischen Interessen in der Politik wie ihre amerikanischen Kollegen. Doch ihre erste Reaktion auf die EU-Wahl in Österreich schien zu sehr von einer Erzählung über SPÖ-Versagen und Rendi-Wagner-Schwäche abhängig zu sein.

Diese Standard Bericht über die österreichische EU Wahl on the Austrian EU election (Kurz lässt sich feiern, Rote zweifeln an sich und ihrer Chefin 26.05.2019) sagt:
Die SPÖ stagniert, konnte keine zusätzlichen Stimmen gewinnen. Außerdem habe man die eigenen Wähler nicht ausreichend mobilisieren können, ärgerte sich der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Er sprach bereits am frühen Abend von einer "klaren Wahlniederlage". Entnervt ist man auch in Kärnten. Landeshauptmann Peter Kaiser sah ein "schmerzhaftes und schwer nachvollziehbares Wahlergebnis". Dass er die Frage, ob Parteichefin Pamela Rendi-Wagner zur Disposition steht, nicht mit einem klaren Nein beantwortet, darf alarmieren. Kaiser erklärte nur, er sei "gegen Hüftschüsse". ...

Parteiintern und in den Medien geht bereits die Debatte um eine personelle Neuaufstellung los. Rendi-Wagner wird massiv infrage gestellt .... Die Frage ist nur: Entscheidung jetzt oder eine wochenlange, aufreibende Debatte.
Doskozil ist der derzeitige Landeshauptmann (Governor) des Burgenlandes und grundsätzlich ein Rechter innerhalb der SPÖ. Er nahm eine drakonischere Haltung zu Flüchtlingen ein als der (inzwischen frühere) Verteidigungsminister der FPÖ, Herbert Kickl. Er war in einer Koalition mit der FPÖ im Burgenland, die er nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos für ein Ende entschied. Doch in diesem Interview von Ende vergangener Woche macht er ziemlich deutlich, dass er sich nicht darüber gefreut habe, die Koalition beenden zu müssen. Sehr kritisch sieht er auch Kurz, weil er das abstoßende Kickl als Innenminister erst nach den Wahlen im Herbst verlassen wollte! "Warum muss aus Sicht der ÖVP der Innenminister gehen? Das war vollkommen unverständlich für mich." Und er wendet sich im Wesentlichen gegen die Unterstützung der SPÖ für ein Misstrauensvotum, um Kurz aus der Kanzlerschaft zu entfernen, indem er eine Version des Arguments von Nancy Pelosi gegen die Amtsenthebung Trumps verwendet, "Ich glaube sogar, dass die ÖVP sehr zufrieden ist damit. Kurz ist in der Dynamik des Märtyrers, des Staatsmannes, er kann die Opferrolle einnehmen." Das ist ein lächerliches Argument. Und offensichtlich von den SPÖ-Mitglieder des Nationalrats mit ihrer Abstimmung am Montag ablehnten.

Der ausgezeichnete ORF-BV-Journalist Armin Wolf, der derzeit eine Art österreichischer Walter-Cronkite-Figur ist, betonte in seiner Wahlabends-Berichterstattung, was er als Niederlage für die SPÖ anssieht. Der Herausgeber des ebenfalls ausgezeichneten, linksgerichteten Wochenblatts Falter , das für die FPÖ zu den wichtigsten Buhmännern zählt und nicht als ein besonderer Freund der ÖVP angesehen wird, twitterte:


Er macht aber auch auf einen Schlüsselfaktor bei den EU-Wahlergebnissen aufmerksam:

Natascha Strobl, eine politische Analystin, der Spezialist für rechsextreme Politik ist, schreibt von Kurz' Selbst-Darstellung von der letzten Woche oder so, "Die ÖVP spielt hier auf der Klaviatur der extremen Rechten und versucht Kurz außerhalb des politischen Systems zu stellen und unantastbar zu machen."

Kurz' informale Fraktion der ÖVP wird als "türkis" bezeichnet, um sie von der traditionellen ÖVP zu unterscheiden, deren Parteifarbe schwarz ist. Die türkise Kurz-Fraktion, zu der auch Milchgesicht selbst gehört, zeichnete sich durch eine mildere, höflich vorgetragene Version der FPÖ-Hardliner-fremdenfeindlichen Politik aus, einschließlich der Positionierung gegen die EU. Die ÖVP war historisch gesehen die Partei, die am stärksten mit der Fürsprache für die EU identifiziert wurde. Bei dieser EU-Wahl war langjähriges Mitglied des Europaparlaments Othmar Karas, der für eine traditionellere pro-europäische Botschaft einsetzte. Kurz versuchte, Karas‘ Botschaft nachzugeben, indem er eine Neuverhandlung der EU-Verträge forderte und eine dumme Beschwerde über eine EU-Verordnung für Lebensmittelunternehmen vorlegte, die von ihnen verlangt, Pommes so zu kochen, dass die krebserregende Chemikalie Acrylamid nicht produziert wird.

Dieser Stunt drohte, den Chancen des ÖVP-Tickets zu schaden. Doch unter den seltsamen Bedingungen, die durch den Ibiza-Video-Skandal hervorgerufen wurden, bedeutete es, dass sie unglücklichen FPÖ-Wählern eine "türkisfarbene" ÖVP-Option beschert und unglückliche Kurz-Anhänger eine "schwarze" pro-europäische ÖVP-Option befürworteten. Diese Wahlanalyse aus Standard zeigt, dass es der ÖVP bei dieser EU-Wahl erfolgreicher war, ihre Stimmen zu stellen als bei der letzten (Wählerströme: ÖVP mobilisiert Nichtwähler und gewinnt von FPÖ dazu 27.05.2019):
Die ÖVP konnte laut Wählerstromanalyse bei dieser Wahl den größten Anteil ihrer Wählerschaft halten: Etwa 90 Prozent der ÖVP-Wähler (etwa 686.000) aus dem Jahr 2014 haben wieder ihr Kreuz bei der ÖVP gemacht. Gewonnen hat die ÖVP vor allem von damaligen Nichtwählern oder noch nicht Wahlberechtigten – rund 387.000 Stimmen oder elf Prozent dieser Gruppe. Weiters sind etwa 19 Prozent (105.000) der damaligen FPÖ-Wähler zur ÖVP gewechselt.

Der SPÖ hielten 85 Prozent ihrer Wähler die Treue, das entspricht etwa 579.000 Stimmen. Von und zu anderen Parteien gibt es aus SPÖ-Perspektive keine nennenswerten Ströme, allerdings erhält sie rund 225.000 Stimmen von Personen, die 2014 nicht gewählt haben. Im Gegenzug verliert die SPÖ an die Gruppe der Nichtwähler einige wenige ehemalige Wähler (rund 46.000). Dass die SPÖ wohl trotzdem leicht schlechter abschneidet als bei der letzten Wahl, ist der höheren Wahlbeteiligung geschuldet. [meine Hervorhebung in Kursivschrift]
Mit Blick auf das heutige parlamentarische Misstrauensvotum beschloss die SPÖ Sonntagabend, die komplette Regierung, die Kanzlerin und alle Minister und nicht nur Bundeskanzler Kurz, wie es die kleine Jetzt Partei vorgeschlagen hatte, zu streichen. Das ermöglichte es der SPÖ, das Thema zu definieren und zeigte ihre Bereitschaft, eine Kampf gegen den gescheiterten Kanzler zu stellen.

Obwohl ich hier argumentiere, dass die Berichterstattung über die Leistung der SPÖ bei der EU-Wahl ein bisschen schlampig war, sehe ich nicht die Bemühungen der SPÖ, weiter zu wachsen, als einfach zu erreichen. Viele sozialdemokratische Parteien in Europa laufen Gefahr, zu Klein-Parteien zu werden. Das war bei dieser EU-Wahl in Griechenland und Frankreich der Fall. Die SPÖ umarmte die gleiche Art von neoliberalem, Budget-ausgleichenden, privatisierenden, Hebert Hoover/Heinrich Brüning ökonomische Politik, die Oligarchen glücklich macht, so wie es andere in Europa taten. Aber die Oligarchen sind der natürliche Wahlkreis der konservativen, Mitte-Rechts-Parteien und zunehmend rechtsextremen Parteien. Die mitte-linken Parteien waren jahrzehntelang die größten Parteien der Arbeiterklasse. Ihre traditionellen Wähler sind von solchen Politiken geschädigt. Das ist kein gutes Bild für die Sozialdemokraten in Europa als Ganze, auch wenn einige sozialdemokratische Parteien wie die in Spanien immer noch Stärke zeigen.

Austria: EU elections and ousting a Chancellor

Austria held its EU parlimaentary elections on Sunday, with the Christina Democratic ÖVP having the best party performance. The results were initially reported as a disappointment for the second-place FPÖ and a setback for the far-right FPÖ.

Then on Monday, the Nationalrat (lower House of Parliament) voted to make Sebastian Kurz the first Austrian Chancellor in the Austrian Second Republic to be removed from office by a parliamentary no-confidence vote. They will remain in office until the President formally accepts the records of the Nationalrat session and formally removes the government.

When we compare the number of seats the parties won in the EU election to their previous ones, the result is that the ÖVP picked up one seat from the Greens and one from the FPÖ. Given the particular circumstances, I don't see how that's a big loss for the SPÖ. The previous SPÖ Chancellor, Christian Kern, was fairly new in an explicitly political role when he became Chancellor. And he had the misfortune during his Chancellorship of having to deal with the repercussions of the 2015-16 refugee crisis. And was not perceived as handling it well. His Foreign Minister, Sebastian Kurz, took the opportunity to wreck the SPÖ-ÖVP Grand Coalition government and catapult himself to the Chancelorship at age 31 on an anti-immigrant theme and with the FPÖ as his coalition partner.

The last year and a half has shown how poorly prepared Chancellor Babyface was for the Chancellorship, and proved once again what a miserable disaster the FPÖ is.

In 2018, Christian Kern seemed to be growing into his role as opposition leader as the head of the SPÖ. But he unexpectedly decided to resign in 2018 and Pamela Rendi-Wagner took over as party chief, the first female chair of the party in the SPÖ's history. She was also relatively inexperienced in holding political office. She certainly seems to have done a good job during the last week and a half during the government crisis brought on by Kurz' stunning failure as Chancellor in keeping the focus on Kurz' responsibility and not allowing his attempt to present himself as blessed with a second political Immaculate Conception. Because he's really an extremely opportunistic xenophobic politician with limited commitment to democracy and a shaky commitment to the European Union.

The Austrian quality press in print and on the air isn't nearly as fawning to oligarchic interests in politics as their American counterparts. But their iwnitial response to the EU election in Austria did seem to be too dependent on a narrative of SPÖ failure and Rendi-Wagner's weakness.

This Standard report on the Austrian EU election (Kurz lässt sich feiern, Rote zweifeln an sich und ihrer Chefin 26.05.2019) includes this (all translations form the German in this post are mine:
The SPÖ is stagnating, could not win any additional votes. In addition, they weren’t able to sufficiently mobilize their own voters, the Burgenland Bundeshauptmann (Governor) Hans Peter Doskozil, fretted. He spoke of a "clear election defeat" as early as the early evening. People are also unnerved in Carinthia. Governor Peter Kaiser saw a "painful and difficult to comprehend election result." That he does not answer with a resounding no to the question of whether party leader Pamela Rendi-Wagner is up for discussion could raise alarms. Kaiser declared only that he was "against shooting from the hip." ...

The debate about a personnel shake-up is already going on within the party and in the media. Rendi-Wagner is being massively doubted [as leader] ... The only question is: Decision now, or have a weeks-long, grueling debate.
Doskozil is the current Landeshauptmann (Governor) of the state of Burgenland and is basically a rightwinger inside the SPÖ. He took a more draconian position on refugees than the FPÖ's now-former Defence Minister Herbert Kickl. He was in a coalition with the FPÖ in Burgenland that he decided to end after the Ibiza-Video was published. But in this interview from late last week, he makes it pretty clear that he wasn't happy about having to end the coalition. He also is very critical of Kurz for not wanted to leave the repulsive Kickl as Interior Minister until after the elections in the fall! “From the point of view of the ÖVP, why should the Interior Minister have to go? That was completely incomprehensible to me.” And he essentially opposes the SPÖ's support for a no-confidence vote to remove Kurz from the Chancellorship, using a version of the Nancy Pelosi argument against impeaching Trump, "I even think the ÖVP is very happy with that. Kurz is in the dynamic of the martyr, the statesman, he can take on the role of victim." It's a ridiculous argument. And clearly one that the SPÖ members in the Nationalrat rejected in their vote Monday.

If Doskozil is critical of Rendi-Wagner's leadership of the party, it's most likely because he worries that she's actuall doing a good job as the leader of a center-left party. It's one of the challenges of the SPÖ in trying to craft and deliver a message that could build a larger vote for them is that they so far haven't told Doskozil to go campaign for the FPÖ where he belongs.

The excellent ORF public TV journalist Armin Wolf, who is currently a sort of Austrian Walter Cronkite figure, in his election-night reporting stressed what he viewed as a defeat for the SPÖ. The publisher of the also excellent, left-leaning wekkly Falter, which is one of the main bogeymen for the FPÖ and not seen as any special friend of the ÖVP, tweeted:
("I think [Vienna Governor] Michael Häupl should become SPÖ leadership candidate. He's not that old yet.")
("Now it will now take a few more days before the whole country believes that a National Socialist scandal government has been at work with us for the last year and a half, which can only be overthrown by Sebastian Kurz." [A reference to an OVP's polemical theme in their fight against the no-confidence vote.])

But he also calls attention to a key factor in the EU election results:

("Was it actually Kurz who won or Karas?")

Natascha Strobl, a political analyst who is a specialist on far-right politics, notes of Kurz' self-psoitioning the last week or so, "The ÖVP here is playing the tune of the far right and is trying to position Kurz outside the political system and make him untouchable."

Kurz' faction of the ÖVP is called "turquoise" to distinguish it from the traditional ÖVP, whose party color is black. The turquoise Kurz faction, including Babyface himself, distinguished iself by adopting a milder-worded more politely presented version of the FPÖ hardline xenophobic policies, including posturing against the EU. The ÖVP was historically the party most identified with advocacy for the EU. During this EU election, the head of the ÖVP list was Othmar Karas, and longtime member of the European Parliament and a more traditional pro-European message. Kurz tried to step on his message by calling for a renegotiation of the EU treaties and making a silly complaint about an EU regulation for food companies requiring them to cook potato chips in a way that won't produced the carcinogenic chemical Acrylamide.

This stunt ran the risk of harming the ÖVP ticket's chances. But in the weird conditions produced by the Ibiza-Video scandal, it meant that the it gave unhappy FPÖ voters a "turquoise" ÖVP option and unhappy Kurz supporters a "black" pro-European ÖVP option. This election analyis from Standard indicates that the ÖVP was more successful at turning out its votors in this EU election than in the last (Wählerströme: ÖVP mobilisiert Nichtwähler und gewinnt von FPÖ dazu 27.05.2019):
The ÖVP was able to hold the largest share of its electorate in this election, according to analysis of voter party switching: About 90 percent of ÖVP voters (about 686,000) from 2014 marked their ballots for the ÖVP again. The ÖVP won, mainly from non-voters at the time or not yet eligible to vote – about 387,000 votes, or 11 percent of this group. Furthermore, about 19 percent (105,000) of the then-FPÖ voters switched to the ÖVP.

The SPÖ held the allegiance of 85 percent of its voters, or about 579,000 votes. There are no significant switches to or from other parties from a SPÖ perspective, but it receives around 225,000 votes from people who did not vote in 2014. In return, the SPÖ loses a few former voters (around 46,000) to the group of non-voters. The fact that the SPÖ is probably still performing slightly worse than in the last election is due to the higher voter turnout. [my emphasis in italics]
Going into today's parliamentary no-confidence vote, the SPÖ Sunday evening decided to propose removing the entire government, the Chancellor and all the ministers, and not just Chancellor Kurz, as the small Jetzt party had proposed. This allowed the SPÖ to define the issue and showed their willingness to put up a fight against the failed Chancellor.

Although I'm arguing here that the coverage of the SPÖ's performance in the EU election was a bit sloppy, I don't see the SPÖ's effort to grow as an easy one. Many of the social-democratic parties in Europe are in danger of becoming minor parties. That was the case in Greece and France in this EU election. The SPÖ embraced the same kind of neoliberal, budget-balancing, privatizing, Hebert Hoover/Heinrich Brüning economics that make oligarchs happy, just as others in Europe did. But the oligarchs are the natural constituency of the conservative, center-right, and, increasingly, far right parties. The center-left parties were for decades the largest parties of the working class. Their traditional constituents are harmed by such policies. This is not a good picture for the Social Democrats in Europe as a whole, though some Social Democratic parties like the one in Spain are still showing strength.

Sunday, May 26, 2019

Weaknesses of the Kurz government in Austria

I'm re-upping the points I made about the vulnerabilities of the now-defunct Austrian government of Chancellor Sebastian Kurz (ÖVP) and Vice Chancellor Heinz-Christian Strache (FPÖ-Ibiza) in an earlier post, How much staying power does the current Austrian government have? 11/27/2018.

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A lot can change between now and 2022 [I wrote in November], e.g., a new international recession, which in terms of the average length of past business cycles is overdue.

The FPÖ is dominated by its "Burschenschaft" (far-right) wing headed by Vice Chancellor Strache. Lots of these people have loony and obnoxious ideas. And they will keep on expressing them.

The single most dramatic political misstep by the turquoise-brown-blue coalition so far was a highly unusual raid by a Vienna police unit headed by an office-holding FPÖ politician (!?!) on the main federal internal-security agency, the BVT, in which they took highly sensitive information, done at the instigation of Interior Minister Herbert Kickl (FPÖ). The Washington Post has reported that other countries are restricting their cooperation with the Austrian BVT as a result, fearing that the BVT cannot be trusted as before with protecting sources and methods. This is something that could seriously compromise Austrian national security in defending against terrorism, organized crime, and espionage. A parliamentary investigation is underway. It already appears that some senior officials have been less than straightforward about the motivations for the raid.

The FPÖ made a formal cooperation agreement in 2016 with Putin's United Russia party that is still in effect. This reflects their ideological affinity for Putinism, including Islamophobia, ethnic nationalism, xenophobia, and hostility to the EU. Even though the FPÖ insists it's "pro-European." Which I suppose is true, especially if you take "European" to mean conservative Christian white people in Europe. This is something that both many Austrian voters and formal allies find problematic. Especially because ...

The KurzStrache government has been downright embarassing in their diplomatic deferral to Russia and Putin. The Austrian public isn't as anti-Russian as Polish voters. But most are far from being Putin idolators.

Kurz needs to rely on Message Control, because as a retail politician, he's kind of a stiff. Earlier this month [November], he embarrassed himself in a town hall meeting in the state of Vorarlberg when he was challenged over his immigration policy. Responding to unexpected critical or challenging questions is a skill that most politicians in his position have mastered better than he seems to have done.

The main opposition party, the SPÖ, has been in turmoil for a couple of years, including the unexpected resignation this year of party chief Christian Kern. This has inhibited their ability to mount focused opposition. This past weekend, the SPÖ elected a new party chairperson, Pamela Rendi-Wagner, the first woman to head the party. How well she handles her role as opposition leader of course remains to be seen. But she can also make use of "New" branding for the SPÖ.

The turquoise-blue anti-immigration policy is meeting some significant pushback from the Green Party and also from within the ÖVP. The latter was what Kurz ran into in Vorarlberg. But even FPÖ voters are not enthusiastic about every anti-immigrant measure. The business-oriented ÖVP is getting pressure from business leaders to ease access for qualified immigrants to fill skilled positions currrently under-filled. And not only skilled positions. Some lesser-skilled positions also are experiencing shortages, notably home care providers.

Immigration can be a volatile issue. But the official turquoise-blue rhetoric against immigrants insists they should be "integrated," i.e., assimilated. But their policies are also clearly aimed at making integration harder, as well. For instance, they established a policy that asylum-seekers in job apprenticeships for jobs for which workers are in short supply would not be allowed to complete their apprenticeships and that no consideration in evaluating asylum requests should be taken for the fact that someone had finished and apprenticeship and was clearly "integrating." Even half or more of FPÖ voters don't approving of those obviously xenophobic and mean-spirited policies.

Also, the nationalist slogan "close the borders" may be exciting in the abstract. In practice, for Austria it would mean some seriously horrible traffic jams and some significant economic disruption for Austria and other EU countries, as well. A major commercial traffice route passes through the Austrian state of Tyrol. The national government's loose talk about closing borders in the summer was a reminder that it's a useful slogan, as long as people aren't required to think too much about the practical consequences. Symbolic posturing only goes so far.

Die Schwächen der Kurz Regierung in Österreich

Ich wiederhole hier die Punkte, die ich über die Schwachstellen der inzwischen gefallenen österreichischen Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ-Ibiza) in einem früheren Beitrag auf Englisch hier, How much staying power does the current Austrian government have? 11/27/2018.

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Bis 2022 [ich schrieb im November] kann sich viel ändern, z.B. eine neue internationale Rezession, die im Hinblick auf die durchschnittliche Länge der vergangenen Konjunkturzyklen überfällig ist.

Die FPÖ wird von ihrem Burschenschafter Flügel unter der Leitung von Vizekanzler Strache dominiert. Viele dieser Menschen haben verrückte und widerliche Ideen. Und sie werden sie immer wieder ausdrücken.

Der bisher dramatischste politische Fehltritt der türkis-braun-blauen Koalition war eine höchst ungewöhnliche Razzia einer Wiener Polizeieinheit unter der Leitung eines amtlichen FPÖ-Politikers (!?!) auf der wichtigsten Bundesanstalt für innere Sicherheit, dem BVT, in dem Sie nahmen hochsensible Informationen entgegen, die auf Betreiben von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) gemacht wurden. Die Washington Post berichtete, dass andere Länder ihre Zusammenarbeit mit dem österreichischen BVT dadurch einschränken, weil sie befürchten, dass der BVT mit dem Schutz von Quellen und Methoden nicht wie bisher vertrauenswürdig sei. Das ist etwas, was die nationale Sicherheit Österreichs bei der Verteidigung gegen Terrorismus, organisiertes Verbrechen und Spionage ernsthaft gefährden könnte. Eine parlamentarische Untersuchung läuft. Es scheint schon, dass einige hochrangige Beamte die Beweggründe für die Razzia nicht gerade geradlinig gesehen haben.

Die FPÖ hat 2016 mit Putins Partei "Einiges Russland" ein formelles Kooperationsabkommen geschlossen, das noch in Kraft ist. Darin spiegelt sich ihre ideologische Affinität zum Putinismus wider, darunter Islamophobie, ethnischer Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Feindseligkeit gegenüber der EU. Auch wenn die FPÖ darauf besteht, dass sie "pro-europäisch" ist. Was meiner Meinung nach zutrifft, vor allem, wenn man "europäisch" als konservative christliche weiße Menschen in Europa meint. Das finden sowohl viele österreichische Wähler als auch formelle Verbündete problematisch. In Besonders, weil ...

Die Regierung KurzStrache hat ihre diplomatische Abschiebung nach Russland und Putin geradezu peinlich in Verlegenheit gebracht. Die österreichische Öffentlichkeit ist nicht so anti-russisch wie die polnischen Wähler. Aber die meisten sind weit davon entfernt, Putin-Götzendiener zu sein.

Kurz muss sich auf Message Control verlassen, denn als Spontaneitäts-Politiker ist er so etwas wie ein steifer. Anfang des Monats [November] hatte er sich in einem Treffen mit dem Publikum im Bundesland Vorarlberg in Verlegenheit gebracht, als er wegen seiner Einwanderungspolitik herausgefordert wurde. Auf unerwartete kritische oder herausfordernde Fragen zu antworten, ist eine Fähigkeit, die die meisten Politiker in seiner Position besser gemeistert haben, als er es offenbar getan hat.

Die wichtigste Oppositionspartei SPÖ ist seit ein paar Jahren in Aufruhr, auch wegen der unerwartete Rücktritt in diesem Jahr [2018] von Parteichef Christian Kern. Dies hat ihre Fähigkeit, fokussierte Opposition zu leisten, behindert. Am vergangenen Wochenende wählte die SPÖ eine neue Parteivorsitzende, Pamela Rendi-Wagner, zur ersten Frau, die die Partei leitet. Wie gut sie ihre Rolle als Oppositionsführerin behandelt, bleibt natürlich abzuwarten. Aber sie kann auch von "New"-Branding für die SPÖ Gebrauch machen.

Die türkis-blaue Einwanderungspolitik stößt bei den Grünen und auch innerhalb der ÖVP auf teils erheblichen Rückschlag. Letzteres war es, was Kurz in Vorarlberg antrat. Doch auch FPÖ-Wähler sind nicht von jeder einwanderungsfeindlichen Maßnahme begeistert. Die wirtschaftsorientierte ÖVP bekommt von den Unternehmensführern Druck, qualifizierten Zuwanderern den Zugang zu erleichtern, qualifizierte Positionen zu besetzen, die derzeit unterbesetzt sind. Und nicht nur qualifizierte Positionen. Auch einige weniger qualifizierte Stellen haben Defizite, vor allem häusliche Pflege.

Einwanderung kann ein unbeständiges Thema sein. Doch die offizielle türkis-blaue Rhetorik gegen Einwanderer besteht darauf, dass sie "integriert", also assimiliert werden sollten. Aber ihre Politik zielt eindeutig auch darauf ab, die Integration zu erschweren. So haben sie beispielsweise eine Politik festgelegt, dass Asylsuchende in Arbeitsstellen, für die Arbeitnehmer knapp sind, ihre Lehrstellen nicht abschließen dürfen und dass bei der Bewertung von Asylanträgen keine Berücksichtigung für die Tatsache, dass jemand fertig war und eine Ausbildung absolviert hatte und sich eindeutig "integriert" habe. Selbst die Hälfte oder mehr der FPÖ-Wähler billigen diese offensichtlich fremdenfeindliche und kleinwüchsige Politik nicht.

Auch nationalistische Parolen wie "die Grenzen schließen" oder „Grenzen dicht“ magen abstrakt spannend sein. In der Praxis würde dies für Österreich einige gravierende schreckliche Verkehrsbehinderungen und einige erhebliche wirtschaftliche Störungen auch für Österreich und andere EU-Länder bedeuten. Eine große Handelsverkehrsroute führt durch das österreichische Bundesland Tirol. Das lockere Gerede der nationalen Regierung über die Schließung der Grenzen im Sommer erinnerte daran, dass es sich um einen nützlichen Slogan handelt, solange die Menschen nicht zu viel über die praktischen Folgen nachdenken müssen. Symbolische Haltung geht nur so weit.

Tuesday, November 27, 2018

How much staying power does the current Austrian government have?

Gernot Bauer takes a look at the political situation of Austria's year-old in the current issue of the weekly Profil, "Partnerqual." But, surprising for Profil, it reads like a beat-sweetening puff piece. Although they are pretty up-front about it. Bauer explains that he's using an explanatory framework promoted by Chancellor Sebastian Kurz' "turquoise" faction, which aims at a preferred conclusion: "Diese Koalition wird wohl neun weitere Jahre bestehen" ("This coalition will surely stay in place for nine more years"), i.e., the same coalition would be re-elected in 2022. In other words, Full disclosure; this article is stenography.

The national coalition is composed of Kurz' conservative Christian Democratic People's (ÖVP, party color black) and Vice President Hans-Christian Strache's far-right "Freedom" Party (FPÖ, party color blue). During the election in 2017, Kurz formally ran as the head of his own electoral list, which used the party color turquoise. So the national coalition is often referred to as turquoise-blue. But the last year seems to indicate that Kurz loyalists may consistite a more enduring "turquoise" faction. There is no separate formal "turquoise" group in the Parliament. One distinctive feature of the turquoise party group around Kurz that disguishes them from the larger ÖVP is that Kurz in the election campaign and during his first year as Chancellor has appeared to be as intensely anti-immigrant as the xenophoblic FPÖ.

The coalition line that Bauer rephrases for Profil readers is that the two parties have a clever division of roles that works wonderfully in three different ways: new (turquoise)/old (FPÖ), warm (turquoise)/cold (FPÖ), and light (turquoise)/dark (FPÖ).

The so-called "warm/cold" two-step is the most substantial. What this talking point means is that the ÖVP gets to enact conservative "pro-business" measures off the stock neoliberal economic agenda: lower wages, weakening unions, curring back social programs like aid to large families and programs to protect women's rights. The FPÖ gets a significant number of working-class votes. (Exactly how the Austrian estimates define "working class" is something that I've got to drill into more one of these days.) The FPÖ is a rightwing party and in stereotypical Mussolini fashion are happy to get on board with pet demands of the "business community." If the ÖVP had formed a coalition with the social democrats (SPÖ), they would have probably been less enthusiastic than the FPÖ in going along with some of those things.

The "new/old" contrast the coalition brags about via the Profil article is pretty much PR fluff. Kurz is famous for his "Message Control", usually mentioned in the English phrase. And the whole "turquoise" posturing in 2017 started as a way to give a slick new PR spin to the stodgy old ÖVP. Kurz himself is 32 years old, so it's an obvious advantage to promote a NEW! IMPROVED! image. Bauer uses it to explain that the coalition partners are practicing normal politics in the way they wheel and deal over positions. How that fits the "new" posture isn't really clear. But it's mainly fluff, anyway.

The third contrast of light/dark is even stranger than new/old as a talking point in this context. What is comes down to is that hte FPÖ continually - as in weekly or even daily - make various kinds of far-right provocations, to which Kurz and his turquoise associates either ignore or minimize them.

Blithely predicting nine more years in office is an obvious pitch to create an air of permanence and inevitability to the current coalition. Why anyone else should take it seriously is not at all clear.

Here are a few important considerations to keep in mind when making nine-year projections on Austrian national politics:

  • A lot can change between now and 2022, e.g., a new international recession, which in terms of the average length of past business cycles is overdue.
  • The FPÖ is dominanted by its "Burschenschaft" (far-right) wing headed by Vice Chancellor Strache. Lots of these people have loony and obnoxious ideas. And they will keep on expressing them.
  • The single most dramatic political misstep by the turquoise-brown blue coalition so far was a highly unusual raid by a Vienna police unit headed by an office-holdling FPÖ politician (!?!) on the main federal internal-security agency, the BVT, in which they took highly sensitive information, done at the instigation of Interior Minister Herbert Kickl (FPÖ). The Washington Post has reported that other countries are restricting their cooperation with the Austrian BVT as a result, fearing that the BVT cannot be trusted as before with protecting sources and methods. This is something that could seriously compromise Austrian national security in defending against terrorism, organized crime, and espionage. A parliamentary investigation is underway. It already appears that some senior officials have been less than straightforward about the motivations for the raid.
  • The FPÖ made a formal cooperation agreement in 2016 with Putin's United Russia party that is still in effect. This reflects their ideological affinity for Putinism, including Islamophobia, ethnic nationalism, xenophobia, and hostility to the EU. Even though the FPÖ insists it's "pro-European." Which I suppose is true, especially if you take "European" to mean conservative Christian white people in Europe. This is something that both many Austrian voters and formal allies find problematic. Espcially because ...
  • The KurzStrache government has been downright embarassing in their diplomatic deferral to Russia and Putin. The Austrian public isn't as anti-Russian as Polish voters. But most are far from being Putin idolators.
  • Kurz needs to rely on Message Control, because as a retail politician, he's kind of a stiff. Earlier this month, he embarrased himself a town hall meeting in the state of Vorarlberg when he was challenged over his immigration policy. Responding to unexpected critical or challenging questions is a skill that most politicians in his position have mastered better than he seems to have done.
  • The main opposition party, the SPÖ, has been in turmoil for a couple of years, including the unexpected resignation this year of party chief Christian Kern. This has inhibited their ability to mount focused opposition. This past weekend, the SPÖ elected a new party chairperson, Pamela Rendi-Wagner, the first woman to head the party. How well she handles her role as opposition leader of course remains to be seen. But she can also make use of "New" branding for the SPÖ.
  • The turquoise-blue anti-immigration policy is meeting some significant pushback from the Green Party and also from within the ÖVP. The latter was what Kurz ran into in Vorarlberg. But even FPÖ voters are not enthusiastic about every anti-immigrant measure. The business-oriented ÖVP is getting pressure from business leaders to ease access for qualified immigrants to fill skilled positions currrently under-filled. And not only skilled positions. Some lesser-skilled positions also are experiencing shortages, notably home care providers.
  • Immigration can be a volatile issue. But the official turquoise-blue rhetoric against immigrants insists they should be "integrated," i.e., assimilated. But their policies are also clearly aimed at making integration harder, as well. For instance, they established a policy that asylum-seekers in job apprenticeships for jobs for which workers are in short supply would not be allowed to complete their apprenticeships and that no consideration in evaluating asylum requests should be taken for the fact that someone had finished and apprenticeship and was clearly "integrating." Even half or more of FPÖ voters don't approving of those obviously xenophobic and mean-spirited policies.
  • Also, the nationalist slogan "close the borders" may be exciting in the abstract. In practice, for Austria it would mean some seriously horrible traffic jams and some significant economic disruption for Austria and other EU countries, as well. A major commercial traffice route passes through the Austrian state of Tyrol. The national government's loose talk about closing borders in the summer was a reminder that it's a useful slogan, as long as people aren't required to think too much about the practical consequences. Symbolic posturing only goes so far.

There is an American cliche that a week is an eternity in politics (a favorite for commentator Mark Shields). A lot can happen in a year. Even more in nine years.