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Sunday, August 11, 2019

Staatspropaganda und rechtsextreme Parteien in den USA und Europa

Jo Becker hat eine nützliche Geschichte in internationalen rechtsextremen Netzwerken und wie sie in Schweden funktionieren, The Global Machine Behind the Rise of Far-Right Nationalism New York Times 08/10/2019.

Die Geschichte schenkt einem Vorfall, bei dem ein russisches Fernsehteam einheimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund Geld anbot, um eine Störung zu inszenieren, die sie dann filmen konnten, ziemlich viel Aufmerksamkeit. Dies war in der Suche nach der Verstärkung eines Themas ausn einem propagandistischen FOX News-Bericht, zu dem Trump eine breitere Öffentlichkeit gegeben hatte:
Zuerst kam ein inzwischen berüchtigter Kommentar von Präsident Trump, der darauf hindeutet, dass Schwedens Geschichte der Aufnahme von Flüchtlingen die Ursache für einen gewalttätigen Angriff in Rinkeby am Vorabend war, obwohl eigentlich nichts geschehen war.

"Sie sehen sich an, was gestern Abend in Schweden passiert. Schweden! Wer würde das glauben? Schweden!" Mr. Trump sagte Anhängern bei einer Kundgebung am 18.Februar 2017. "Sie nahmen in großer Zahl [von Flüchtlingen]. Sie haben Probleme, wie sie es nie für möglich gehalten hätten."
(Alle Übertragungen aus dem Englischen in diesem Beitrag sind meine.)

Es gibt immer ein seltsames Problem in dem, was man internationalistischen Nationalismus nennen könnte. Wenn eine Partei ein engstirnigen nationalistischen, ethnopopulistischen Programm verfolgt, ist das offensichtlich nicht mit einem Gefühl der internationalen Solidarität vereinbar.

Aber das ist nichts Neues. Die faschistischen Bewegungen der 1920er und 1930er Jahre in Europa und während des Krieges hatten erhebliche Wechselwirkungen und verstärkten sich gegenseitig auf verschiedene Weise. Den inneren Feind eines Landes zu unterstützen, dessen Regierung als feindselig gilt, ist kaum eine neue Entwicklung in Politik und Staatskunst. Und da die Amerikaner aus unseren vielen Regimewechsel-Operationen lernen sollten, könnten die Ergebnisse die verfolgten politischen Ziele eher schädigen als verbessern.

Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass rechtsextreme Parteien das Europäische Parlament und die Wahlen gut genutzt haben, um für ihre Botschaft zu werben. Sie haben einen institutionellen Anreiz, auf der Ebene des Europäischen Parlaments Bündnisse untereinander zu schaffen, genau wie die prodemokratischen und pro-EU-Parteien. Das trotz einiger direkt konkurrierender Forderungen, wie die Forderungen der Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) an den norditalienischen Raum Südtirol.

Der Artikel zeigt auch, wie verschwommen die Grenzen zwischen staatlich gelenkten Propagandaoperationen, "normaler" nationaler Politik und dem Zusammenspiel von Ideen zwischen verschiedenen Komponenten der Zivilgesellschaft sein können. Ein illegaler Wahlkampfbeitrag ist ein diskreter Akt, der verfolgt werden kann und gegen den Abwehr- und Strafmaßnahmen ergriffen werden können. Aber ob Propaganda- und Desinformationsoperationen in einer gegebenen Situation wirksam sind, hängt weitgehend davon ab, wie widerstandsfähig die Zielgruppen darauf reagieren. Das heißt, wie gut die Zeitungen sind, wie gut die Verbraucher sind, wenn sie kritische Sorgizwar auf das anwenden, was sie hören, die Führung und den Rahmen, die von politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Gruppen bereitgestellt werden.

Ein falscher oder irreführender Bericht kann kurzfristig Reaktionen auslösen, die konkrete Auswirkungen auf Politik und Politik haben. Obwohl die Beurteilung dessen, was auch eine Frage des kritischen Urteils ist, obwohl gelegentlich die Auswirkungen einer bestimmten Geschichte auch durch politische Umfragen gemessen werden können.

Wenn es um rechtsextreme Demagogie geht, "werden Hasser hassen" ("haters gonna hate"). Es wird also noch lange Politiker geben, die es versuchen. Aber es ist etwas, was zentristische und sogar linke Parteien in den USA und Europa schwer zu meistern scheinen, wenn man ihr effektiv entgegenwirkt, ohne ihm unnötige Zugeständnisse zu machen. Die Situation in der EU wird durch die seit langem im Krafte Dublin Regulation (Gesetz-Texte hier), die in der Praxis die meisten Belastungen für die Bearbeitung von Flüchtlingen für EU-Mitglieder wie Italien und Griechenland aufsicht und es einigen der reichsten Länder wie Deutschland, Österreich und Frankreich ermöglicht, eine proportionale Lastenteilung zu vermeiden. Und es gibt zentristischen und linken Parteien die Möglichkeit, einwanderungsfeindlich zu sein, aber immer noch sich als "gute Europäer" zu inszenieren, weil sie "nur" die ordnungsgemäße Durchsetzung der Dublin-Verordnung fordern. Ein Modell der Solidarität ist es nicht.

Beckers Artikel schenkt den russischen Operationen viel Aufmerksamkeit. Aber es lohnt sich, daran zu erinnern, dass es bei allen Gemeinsamkeiten von Putins Regierungsführung und seiner Einiges Russland Partei für rechtsextreme Gruppen in Europa und den USA wenig Grund zu der Annahme gibt, dass Russland eine ideologische Agenda verfolgt. Es ist eine klare Option, die die Mächte ausgleichen kann, damit Russland die Einheit der NATO und der EU schwächen kann. Politisches Chaos und Inkompetenz in den EU-Ländern können diesen Zielen ebenso gut oder besser dienen, als eine entschieden prorussische Regierung zu haben. Und nicht alle rechtsextremen Parteien der EU sind so prorussisch/pro-Putin wie die in Österreich, Italien und Frankreich. Die russlandfreundliche Position Viktor Orbáns macht zum Beispiel die antirussischen polnischen Rechten nicht glücklich.

Mark Galeotti schreibt über Putins verschiedene Propagandabemühungen (Russian Political War, 2019):
Für einige stellt diese multivektorische Herausforderung eine außerordentlich komplexe und disziplinierte Kampagne dar, Geopolitik als dreidimensionales Schach. Und doch ist klar, dass viele, selbst die meisten, einzelinitiativen weitgehend unverbunden, oft opportunistisch sind, ihre Bewegungen sind von lokalen Bedingungen, Sorgen und Überlegungen geprägt. Sie verbinden sich nur manchmal und oft ungeschickt. Es scheint keinen detaillierten Masterplan zu geben, sondern vielmehr eine umfassende Strategie, die Europäische Union (EU) und die NATO zu schwächen, Europa und die Vereinigten Staaten voneinander zu verdrängen und im Allgemeinen ein politisches und kulturelles Umfeld zu schaffen, das für Moskau und seine Interessen. [meine Hervorhebungen]
Eine letzte Bemerkung. Beckers Bericht schreibt über, "Alexander Dugin, ein ultranationalistischer russischer Philosoph, der 'Putins Rasputin' genannt wurde." Dugin wird oft als ein Lieblingsideologe Putins bezeichnet. Aber auch hier ist es irreführend anzunehmen, dass Putin einer "Duginisten"-Ideologie folgt. Aber, wie Galeotti bemerkt, "ausgesprochen 'eurasisch' russischen Nationalisten Alexander Dugin hat ... manchmal zu einem virtuellen ideologischen Sprecher des Staates erhoben, dann ausgeschlossen, wenn es bequem ist." Aber Dugin hat eine wichtige Sichtbarkeit in der europäischen extremen Rechten.

Fabian Schmid in Russischer Neofaschist Dugin vor Akademikerball in Wien Der Standard 01/18/2018: "Dugin gilt als Vordenker der sogenannten "Eurasien"-Bewegung, die eine "multipolare Welt" fordert und sich gegen den angeblich "dekadenten Westen" richtet."

Für Identitäre bezieht sich eine "mutipolare Welt" auf das Konzept der "reinen" Ethnostaaten. Es ist keine Art von libertärem Multikulturalismus, es ist genau das Gegenteil.

State propaganda mischief and far-right parties in the US and Europe

Jo Becker has a useful story on international far-right networks and how they function in Sweden, The Global Machine Behind the Rise of Far-Right Nationalism New York Times 08/10/2019.

The story gives quite a bit of attention to an incident where a Russian television crew offered money to local immigrant youths to stage a disruption that they could then film. This is was in pursuit of amplifying a theme featuring in a propagandistic FOX News report to which Trump had given wider publicity:
First came a now-infamous comment by President Trump, suggesting that Sweden’s history of welcoming refugees was at the root of a violent attack in Rinkeby the previous evening, even though nothing had actually happened.

“You look at what’s happening last night in Sweden. Sweden! Who would believe this? Sweden!” Mr. Trump told supporters at a rally on Feb. 18, 2017. “They took in large numbers. They’re having problems like they never thought possible.”
There's always a strange problem with what could be called internationalist nationalism. If a party is pursuing a narrow nationalist, ethnopopulist program, that is not obviously consistent with a sense of international solidarity.

But this is nothing new. The fascist movements on the 1920s and 1930s in Europe and during the war had considerable interactions and mutually reinforced one another in various ways. Backing the internal enemy of a country whose government is considered hostile is hardly a new development in politics and statecraft. And as Americans should be learning from our many regime change operations, the results may actually damage rather than enhance the policy objectives being pursued.

It's also important to remember that far-right parties have made good use of the European Parliament and elections for it to promote their message. They have an institutional incentive to pursue alliances with each other at the European Parliament level, just like the pro-democracy and pro-EU parties. That in spite of some directly competing demands, like the Austrian FPÖ's (Freedom Party's) demands on the northern Italian area known as South Tyrol.

The article also shows how blurry the lines can be between state-directed propaganda operations, "normal" national politics, and the interaction of ideas among various components of civil society. An illegal campaign financial contribution is a discrete act that can be tracked and against which defensive and punitive measures can be taken. But whether propaganda and disinformation operations are effective in a given situation does depend largely on how resilient the target groups are responding to it. That is, how good the newspapers are, how good news consumers are in applying critical thought to what they hear, the leadership and framework provided by political parties and civil society groups.

A false or misleading report can set off reactions in the short run that have concrete effects on policy and politics. Although assessing what those is also a matter of critical judgment, although occasionally the effect of a particular story can also be measured through political polls.

When it comes to far-right demagoguery, "haters gonna hate." So there will be politicians attempting it for a long time to come. But effectively countering it without making unnecessary concessions to it is something centrist and even left parties in the US and Europe seem to be having a hard time mastering. The situation in the EU is compounded by the long-standing Dublin Regulation (legal text here), which in practice places most of the burden on processing refugees on EU members like Italy and Greece and allows some of the richest countries like Germany, Austria, and France to avoid proportional burden-sharing. And it gives centrist and left parties the option of being anti-immigrant but still posturing as "good Europeans" because they are "only" demanding the proper enforcement of the Dublin Regulation. A model of solidarity it's not.

Becker's article gives a lot of attention to Russian operations. But it's worth remembering that for all the common features of Putin's governance and his United Russia party to far-right groups in Europe and the US, there's little reason to believe Russia is pursuing an ideological agenda. It's an obvious power-balancing option for Russia to weaken the unity of NATO and the EU. Political chaos and incompetence in EU countries can serve those goals as well or better than having an overtly pro-Russian government. And not all the EU far-right parties are as pro-Russian/pro-Putin as those in Austria, Italy, and France. Viktor Orbán's Russia-friendly position doesn't make the anti-Russian Polish rightists happy, for instance.

Mark Galeotti writes of Putin's various propaganda efforts (Russian Political War, 2019):
To some, this multi- vectored challenge represents an extraordinarily complex and disciplined campaign, geopolitics as three- dimensional chess. And yet, it is clear that many, even most, individual initiatives are largely unconnected, often opportunistic, their moves shaped by local conditions, concerns and considerations. They connect only sometimes, and frequently clumsily. There appears to be no detailed masterplan, but rather a broad strategy of weakening the European Union (EU) and NATO, distancing Europe and the United States from each other, and generally creating a political and cultural environment more conducive for Moscow and its interests. [my emphasis]
A final comment. Becker's report writes about, "Alexander Dugin, an ultranationalist Russian philosopher who has been called 'Putin’s Rasputin'.” Dugin is often referred to as a favorite ideologist of Putin's. But here also, it's misleading to assume that Putin is following some "Duginist" ideology. But, as Galeotti observes, "Outspoken ‘Eurasianist’ Russian nationalist Alexander Dugin has ... at times been elevated to a virtual ideological spokesman of the state, then excluded when convenient." But Dugin does have important visibility in the European far right. Fabian Schmid in Russischer Neofaschist Dugin vor Akademikerball in Wien Der Standard 01/18/2018,  Dugin is considered to be a leading thinker of the so-caled Eurasian movement which postulates a "multi-polar world" and points to the alledgly "decadent West".
(my translation)
For Identitarians, a "mutipolar world" refers to the concept of having "pure" ethnostates. It's not any kind of libertarian multiculturalism, it's just the opposite.