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Tuesday, August 13, 2019

Ein Perestroika-Ära Blick auf Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (2 von 2)

Dies ist der zweite von zwei Teilen eines 1989 erschienenen Essays des sowjetischen Dissidenten Juri Burtin. Der erste Teil ist hier.

Kapitalism vs. Sozialismus, 1989

Ein Hauptargument von Burtin ist, dass sich der Kapitalismus als wesentlich anpassungsfähiger erwies, als Marx und Engels und ihre Anhänger wahrgenommen wurden. Und dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der sozialistischen Volkswirtschaften offensichtlich schlechter war als die der kapitalistischen Länder. Jordan Peterson könnte Teile dieses Teils des Essays in etwas aufnehmen, das er schreibt, und niemand würde glauben, einen Qualitätsunterschied zu bemerken. Einiges davon ist geradezu banal, mit anderen Worten. Einschließlich der Rede von konservativer Ökonomie als "Markt", tatsächlich (wenn auch vage) argumentierend, dass es Märkte in der Sowjetunion nicht gäbe.

Burtin streitet lange darüber, wie die tatsächliche Intensität der Arbeit und die soziale Bedeutung einer bestimmten Art von Arbeit absolut unermesslich ist. Und dann geht man weiter zu argumentieren, dass Menschen, die in einer Hierarchie höher sind, materiell am meisten belohnt werden sollten, weil sonst jeder faul wird und keinen Ehrgeiz hat. Lager Jordan Peterson Sachen.

Er gönnt sich auch eine republikanische Argumentation des College, indem er ein breites theoretisches Argument von Engels in Anti-Dühring darüber annimmt, wie eine sozialistische Gesellschaftsorganisation die Funktion des Sozialkapitals in der Arbeit des Einzelnen als der Kapitalismus. Und antwortet darauf mit einem Petersonischen Argument, oh ja, wie du das tun wirst, huh? Bedeutet das nicht, dass Sie immer noch einen Markt haben, der das ist, was Sie abbringen wollen, huh, huh? Mit anderen Worten, auf ein breites Argument über die Gesellschaft zu antworten, indem man fragt, was das mit der Verwaltung einer einzelnen Maschinenhalle zu tun hat. Es ist ein polemischer Debattieransatz, keine tatsächliche Analyse. Und dann endet mit dem Argument, dass es keine tatsächliche Möglichkeit gibt, Arbeitsaufwand und Intensität zu messen. (S. 186-8)

Der Aufsatz ist als Kritik am Marxismus strukturiert, aber eigentlich benutzt er oberflächliche Umrahmung mit der Annahme, dass der westliche "Markt"-Kapitalismus wirtschaftlich und (offensichtlich) sozial in jeder Hinsicht dem sowjetischen Modell des Sozialismus überlegen ist.

Burtin passt die kommunistische Kritik der Sozialdemokratie nach dem Ersten Weltkrieg an, dass die Zweite Internationale eine streng deterministische Vorstellung angenommen habe, dass der Kapitalismus unweigerlich durch einen mehr oder weniger automatischen Prozess in den Sozialismus umschlagen würde und ihn zu einem Kritik an der gesamten marxistischen/sozialistischen/sozialdemokratischen Perspektive.

Der interessanteste theoretische Moment des gesamten Essays ist der Teil, in dem Burtin die marxistische Vorstellung von der Transformation des Kapitalismus in eine klassenlose sozialistisch-kommunistische Gesellschaft beschreibt, die eine gewisse Analogie zu Hegels Konzept des Endes von Geschichte, das Ende oder die Kunst usw. Aber er verfolgt es nicht einmal so weit, Hegel an dieser Stelle zu erwähnen.

Er argumentiert ausführlich, dass Marx und Engels in ihrem Verständnis der Flexibilität der kapitalistischen Herrschaft versagt hätten. Er zitiert sie aber auch als voraussehend, was er ihnen vorwirft, weil sie nicht vorhergesehen haben:
Für uns ist im gegebenen Fall nicht so sehr die konkrete als vielmehr die sozusagen präzedenz-theoretische Seite der Marxschen Mutmaßung interessant: die Möglichkeit der Unterdrückung einer progressiven Bewegung durch eine andere, nicht weniger progressive, aber einer anderen Stufe (oder Begrenzung) des Prozesses zugehörige Bewegung. (S. 202)
Die Art von Themen, die Burtin als angeblich vernichtende Kritik elementarer Ideen marxistischer Ökonomie und historischer Philosophie aufwirft, liest sich tatsächlich eher wie routinemäßige und flache Argumente der Handelskammer gegen staatliche Beschränkungen von Unternehmen und gegen Gewerkschaften. Die Art von Argumenten, die er als blinde Flecken im Marxismus des 19. Jahrhunderts aufwirft, sind weitgehend Themen, über die nichtmarxistische Ökonomie, Soziologen und Managementtheoretiker schon lange vor 1989 diskutiert und studiert hatten.

Der sehr respektable Managementtheoretiker Peter Drucker etwa wies auf den Fall von Sportmannschaften hin, die Vorstellung in Frage stellen, dass Manager mehr bezahlt werden sollen als ihre Mitarbeiter/Untergebenen. Ein Star-Fußball- oder Basketballspieler oder Superstar-Entertainer kann in einem bestimmten Jahr mehr machen, als ihr Trainer oder Führungskräfte des Unternehmens, mit denen sie zusammenarbeiten. In Vertriebsabteilungen ist es auch nicht ungewöhnlich, dass ein einzelner Verkäufer, der für Abschlussprovision arbeitet, in einem Zeitraum mehr verdient als sein Manager oder Manager. Es gibt eine lange Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, dass ein Unternehmen die erfolgreichsten Verkäufer als Manager fördert, da die Fähigkeiten, die das Organisationsmanagement benötigt, nicht mit identisch sind, die erforderlich sind, um ein erfolgreicher Verkäufer zu sein. Ein Gegenargument ist, dass, wenn ein Unternehmen Top-Verkäufern keine Priorität für die Beförderungen einräumt, die Motivation der Verkäufer unterminieret würde.

Selbst in grundlegenden kapitalistischen "freien" Erwägungen spielt die Schwierigkeit des Arbeitsplatzes eine gewisse Rolle bei der angebotenen Bezahlung. Ich erinnere mich, dass sich in den 1990er Jahren ein republikanischer Politiker darüber beschwerte, wie einige Busfahrer in Los Angeles 70.000 Dollar im Jahr verdienten! (Das wäre heute eher 120.000 US-Dollar.) Er ging davon aus, dass sein Publikum darüber offensichtlich empört sein würde. Aber mein unmittelbarer Gedanke war, sich zu fragen, ob er über Fahrer sprach, die Überstunden und/oder die unbeliebtesten Schichten arbeiten. Aber mein Hauptgedanke war, dass es wahrscheinlich einige Gegenden von Los Angeles gibt, dass ich nicht für das Doppelte Busfahrer werden möchte.

Burtins Essay könnte den Eindruck erwecken, dass noch nie zuvor solche Vorstellungen ernst genommen wurden.

John Kenneth Galbraith, ein berühmter, wenn auch oft abweichender Ökonom, pflegte, in Thorstein-Veblen-Stil, die Verachtung über die Vorstellungen zu heben, dass CEOs aufgrund der großen Schwierigkeiten ihrer Arbeitsplätze enorme Gehälter verdienen. In seinem letzten Buch, das zu Lebzeiten veröffentlicht wurde, The Economics of Innocent Fraud (2004), schrieb er:
"Arbeit" beschreibt sowohl das, was erzwungen ist, als auch was die Quelle des Prestiges und der Bezahlung ist, die andere eifrig suchen und genießen. Schon jetzt ist Betrug offensichtlich, wenn man für beide Umstände das gleiche Wort hat.

Aber das ist noch nicht alles. Diejenigen, die die Arbeit am meisten genießen - und das sollte betont werden - sind fast überall die Bestbezahlten. Dies wird akzeptiert. Niedriglohnskalen sind für diejenigen, die sich wiederholen, mühsam, schmerzhaft. Diejenigen, die am wenigsten eine Entschädigung für ihre Mühen benötigen, am besten ohne sie überleben könnten, werden am meisten bezahlt. Die Löhne, genauer gesagt die Gehälter, Boni und Aktienoptionen, sind die größten, an der Spitze, wo Arbeit ein Vergnügen ist. Dies ruft keine ernsthaft nachteilige Reaktion hervor. Auch bis vor kurzem führten die überhöhten Vergütungen und umfangreichen Nebenleistungen funktionaler oder nicht funktionaler Führungskräfte nicht zu kritischen Kommentaren. Dass der großzügigste Lohn für diejenigen sein sollte, die ihre Arbeit am meisten genießen, wurde voll akzeptiert. [meine Übertragung aus dem Englischen]
Die Vorstellung, dass "der Markt" irgendwie mystisch gerechte und rationale Ergebnisse aus gesellschaftlicher Sicht hervorbringt, steht heute mindestens so viel in Frage wie 1848, als das Kommunistische Manifest zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Auch wenn das aus der Perspektive von 1989 in der UdSSR für Juri Burtin vielleicht nicht ganz so offensichtlich schien.

A perestroika era look at capitalism, socialism, and democracy (2 of 2)

This is the second of two parts on a 1989 essay by Soviet dissident writer Juri Burtin. The first part is here.

Capitalism vs. Socialism, 1989

A key argument of Burtin's is that capitalism proved itself to be far more adaptable than Marx and Engels and their adherents perceived. And that the economic performance of the socialist economies was obviously inferior to that of capitalist countries. Jordan Peterson could take chunks of this part of the essay into something he writes and no one would think notice a difference in quality. Some of it is downright trite, in other words. Including talking about conservative economics as "the market," actually (albeit vaguely) arguing that markets didn't exist in the Soviet Union.

Burtin makes a long argument about how the actual intensity of work and the social importance of a particular type of work is absolutely unmeasurable. And then proceeds to argue that's why people higher up in a hierarchy should be materially the most rewarded because otherwise everybody gets lazy and has no ambition. Stock Jordan Peterson stuff.

He also indulges in a College Republican brand of argument, taking a broad theoretical argument from Engels in Anti-Dühring about how a socialist organization of society would recognize and do fuller justice to the function of social capital in individuals' work than capitalism does. And responds to it with a Petersonian argument of, oh yeah, how you gonna do that, huh? Doesn't that mean that you still have a market which is what you want to do away with huh, huh? In other words, answering a broad argument about society by asking what does that have to do with managing an individual machine shop. It's a polemic debating approach, not an actual analysis. And then winds up arguing that there's no actual way to measure work effort and intensity. (pp. 186-8)

The essay is structured as a criticism of Marxism, but actually it uses superficial framing with an assumption that Western "market" capitalism is economically and (apparently) socially in all ways superior to the Soviet model of socialism.

Juri Burtin adapts the post-First World War Communist critique of Social Democracy, that the Second International had adopted a strictly deterministic notion that capitalism would inevitably turn into socialism by a more-or-less automatic process and makes it a criticism of the entire Marxist/socialist/social-democratic outlook.

The most interesting theoretical moment of the whole essay is the part in which Burtin describes the Marxian notion of the transformation of capitalism into a classless socialist-communist society that highlights a certain analogy to Hegel's concept of the end of history, the end or art, etc. But he doesn't pursue it even so far as to mention Hegel at that point.

He argues at length that Marx and Engels failed in their understanding of the flexibility of capitalist rule. But he also cites them as foreseeing what he criticizes them for not having forseen:
In the given case, it is not so much the concrete side of Marx's presumption that is interesting for us, but rather the precedent-theoretical side of Marx's presumption: the possibility of suppressing a progressive movement by another, no less progressive, but a movement that belongs to a different level (or limitation) of the process." (p. 202; my translation)
The kinds of issues that Burtin raises as supposedly devastating critiques of elementary ideas of Marxist economics and historical philosophy actually read more like routine and shallow Chamber of Commerce type arguments against government restrictions on business and against labor unions. The kind of arguments he raises as blind spots in 19th-century Marxism are largely issues that non-Marxist economics, sociologists, and management theorists had already been discussing and studying long before 1989.

The very respectable management theorist Peter Drucker, for instance, pointed to the case of sports teams to challenge the notion that managers should get paid more than their employees/subordinates. A star football or basketball player or superstar entertainer may make considerably more in a given year that their coaches or executives of the corporations with which they work. In sales departments, it's also not unusual for an individual salesperson working on commission to earn more in a given time period than their managers or their managers' managers. There's a long-running discussion about whether it makes sense for a company to promote the most successful salespeople to be managers, because the skills required by organizational management are not identical to those required to be a successful salesperson. A counterargument is that if a company doesn't give top salespeople priority for promotion, it would undermine the motivation of the salespeople.

Even in basic capitalist "free-market" considerations, the difficulty of the job does play some role in the pay offered. I remember back in the 1990s hearing some Republican politician complain about how some bus drivers in Los Angeles earned $70,000 a year! (Which would be more like $120,000 or so today.) He assumed that his audience would be obviously outraged by that. But my immediate thought was to wonder if he was talking about drivers working overtime and/or the most unpopular shifts. But my main thought was, there are probably some areas of Los Angeles that I wouldn't want to be a bus driver for twice that amount.

Juri Burtin's essay could give the impression that no one had ever taken such notions seriously before.

John Kenneth Galbraith, a famous if often dissenting economist, used to heap Thorstein-Veblen-style scorn on the notions that CEOs earn enormous salaries because of the great difficulty of their jobs. In his last book published during his lifetime, The Economics of Innocent Fraud (2004), he wrote:
"Work" describes both what is compelled and what is the source of the prestige and pay that others seek ardently and enjoy. Already fraud is evident in having the same word for both circumstances.

But this is not all. Those who most enjoy work - and this should be emphasized - are all but universally the best paid. This is accepted. Low wage scales are for those in repetitive, tedious, painful toil. Those who least need compensation for their effort, could best survive without it, are paid the most. The wages, or more precisely the salaries, bonuses and stock options, are the most munificent at the top, where work is a pleasure. This evokes no seriously adverse response. Nor until recently did the inflated compensation and extensive perquisites of functional or nonfunctional executives lead to critical comment. That the most generous pay should be for those most enjoying their work has been fully accepted.
The notion that "the market" somehow mystically produces just and rational outcomes from a societal viewpoint is at least as much in question now as it was in 1848, when the Communist Manifesto was first published. Even if from the perspective of 1989 in the USSR, that may not have seemed quite so obvious to Juri Burtin.